Der Halo-Effekt – Attraktive Gründer haben es leichter

Laut einer neuen Studie haben es männliche, attraktive Gründer leichter als weibliche: Sie erhalten eher finanzielle Unterstützung von Investoren. Ein klassischer Fall des Halo-Effekts.

Angeblich ist nichts mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Hinter der Kalenderweisheit steckt der Gedanke, dass sich gute Einfälle auf jeden Fall durchsetzen – solange nur der Zeitpunkt richtig ist.

Demnach müsste es egal sein, ob der Urheber einer Geschäftsidee männlich oder weiblich ist, attraktiv oder unattraktiv – doch das ist es offenbar nicht. Denn sowohl das Geschlecht als auch das Aussehen der Gründer kann den Erfolg eines Startups erheblich beeinflussen.

Zu diesem Fazit kommt jetzt die US-Ökonomin Alison Wood Brooks von der Harvard Business School in einer neuen Studie.

Höhere Zustimmung

Im ersten Teil analysierte sie 90 Präsentationen, die Jungunternehmer vor Wagnisfinanzierern gehalten hatten. Dabei hatten die Gründer ihre Geschäftsidee vorgetragen und ihren Businessplan gezeigt. Die Wagnisfinanzierer mussten nun entscheiden, ob sie in die Unternehmen investieren wollten.

Unabhängig von der Branche, dem Alter oder der Erfahrung der Gründer: Männer hatten eine 60 Prozent bessere Chance auf finanzielle Unterstützung als Frauen. Auch das Aussehen spielte eine Rolle: Fanden die Investoren die Gründer attraktiv, steigerte das die Zustimmungsrate noch mal um 36 Prozent.

Nun könnte es sich hier natürlich um einen Zufall handeln. Vielleicht waren die Konzepte der männlichen, attraktiven Gründer wirklich besser. Doch in zwei weiteren Versuchen entdeckte Wissenschaftlerin Brooks, wie wichtig Äußerlichkeiten tatsächlich waren – und wie unwichtig die Präsentationen.

Unwichtiger Inhalt

Im zweiten Experiment schauten 521 Freiwillige zwei verschiedene Vorstellungsvideos von Gründern. Doch Brooks hatte die Filme vorab präpariert: Die Probanden sahen nicht die Gesichter der Gründer, sondern hörten nur ihre vermeintlichen Stimmen. Die eine Hälfte hörte eine Männerstimme, die andere eine Frauenstimme, der Inhalt der Ansprache war identisch. Nun sollten sie entscheiden, wen sie finanziell unterstützen wollten. Knapp 70 Prozent wählten den Mann.

Im letzten Versuch zeigte Brooks den Probanden das angebliche Bild eines männlichen Gründers, dazu lauschten sie wieder seiner Präsentation. Mal war der Gründer attraktiv, mal nicht. Wieder hatte der gutaussehende Jungunternehmer bessere Chancen auf finanzielle Unterstützung.

Offenbar haben Frauen Nachteile bei der Suche nach Investoren. Aber wieso?

Überzeugende Stimme

Einen Hinweis lieferten die Probanden, als Brooks sie nach den Gründen ihrer Entscheidung fragte. Die Stimme der attraktiven Männer fanden sie überzeugender und glaubwürdiger, seine Argumente logischer als die der Frauenstimme.

Ein klassischer Fall des Halo-Effekts. Demnach wirken einzelne Eigenschaften einer Person so dominant, dass sie einen überstrahlenden Gesamteindruck erzeugen. Daher auch der Name, “Halo” steht im Englischen für “Heiligenschein”.

Davon lassen sich laut Alison Wood Brooks auch Investoren leiten. Demnach ist eine Idee nicht alleine dann mächtig, wenn ihre Zeit gekommen ist – sondern wenn sie gleichzeitig von gut aussehenden Gründern vorgestellt wird. Zumindest hat sie dann bessere Chancen auf finanzielle Unterstützung.

Quelle:
Alison Wood Brooks et al (2014). Investors prefer entrepreneurial ventures pitched by attractive men. Proceedings of the National Academy of Sciences

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