In Eile – Fast-Food-Kultur prägt das Sparverhalten

Obwohl Fast Food ungesund ist, gönnen sich viele Menschen gerne mal einen saftigen Burger. Doch das kalorienreiche Essen beeinflusst nicht nur den Hüftumfang – sondern laut einer neuen Studie auch das Portmonnaie.

Der Erfolg von Fast Food passt in unsere Zeit. Eine Zeit, in der es häufig auf Effizienz und sofortige Befriedigung ankommt. Auch bei der Nahrungsaufnahme.

Früher war das gemeinsame Zubereiten und Verspeisen von Essen ein festes Ritual, bei dem Freunde und Verwandte in Ruhe miteinander kommunizierten. Heute geht es oft darum, möglichst schnell den Magen vollzuschlagen, um sich danach vermeintlich wichtigeren Dingen zu widmen.

Nun weiß jeder, dass Burger und Fritten ungesund sind, fettig und kalorienreich. Trotzdem haben sich Ketten wie McDonald’s oder Burger King weltweit ausgebreitet. Die Läden sind auf schnelle Abfertigung ausgelegt, die Kunden sollen bestellen, essen und möglichst rasch wieder gehen. Betriebswirtschaftlich ergibt das Sinn. Doch psychologisch prägt uns die Fast-Food-Kultur womöglich stärker als gedacht.

Das glaubt zumindest Sanford DeVoe, außerordentlicher Professor an der Rotman School of Management in Toronto. Für seine Studie analysierte er, ob die Anzahl von McDonald’s-Filialen mit dem Sparverhalten der Einwohner zusammenhängt. Daher wertete DeVoe aus, wie viel Niederlassungen der Burgerbrater von 1978 bis 2008 in 30 verschiedenen Ländern weltweit eröffnete, darunter Australien, Deutschland oder die USA. Dann besorgte er sich die Sparquoten dieser Länder, wie viel Geld die Einwohner also von ihrem Nettoeinkommen beiseite legten.

Das Ergebnis: Je mehr McDonald’s-Restaurants es gab, desto geringer waren die Sparquoten – unabhängig vom Bruttoinlandsprodukt, von demografischen Veränderungen, der Einkommensungleichheit oder der Konjunktur. Ein ähnliches Resultat erhielt DeVoe auf regionaler Ebene. Die Menschen in den USA sparten umso weniger, je mehr Fast-Food-Restaurants in ihrer Umgebung waren.

Gleichwohl lassen diese Untersuchungen noch keinen kausalen Zusammenhang zu, nach dem Motto: Mehr Fast-Food führt zu schlechterer Finanzplanung. Um diese Ursache-Wirkungs-Beziehung zu durchleuchten, konzipierte DeVoe zwei weitere Experimente. Bei einem davon schrieben 161 Freiwillige über den letzten Besuch eines Restaurants. Die eine Hälfte jedoch sollte über die Visite eines Fast-Food-Ladens schreiben, die andere über das Essen in einem regulären Lokal.

Danach konfrontierte DeVoe alle Probanden mit verschiedenen monetären Entscheidungen: Wollten sie lieber eine kleine, kurzfristige Belohnung haben oder bevorzugten sie die größere in der Zukunft? Und siehe da: Die Fast-Food-Gruppe präferierte den sprichwörtlichen Spatz in der Hand. Offenbar fehlte ihnen die Geduld, auf die Taube auf dem Dach zu warten.

So erging es auch den Teilnehmern des letzten Experiments. Hier stellte DeVoe 47 Passanten vor dieselbe Entscheidung – mal vor einer Fast-Food-Filiale, mal vor einem Restaurant. Erneut präferierten Erstere häufiger die kurzfristige Belohnung.

Nun heißt das noch lange nicht, dass McDonald’s und Co. die Menschen finanziell ruinieren. Stattdessen deutet die Untersuchung darauf hin, dass Fast Food und eine gewisse Zeitnot in unseren Köpfen eng miteinander verknüpft sind. So eng, dass die Erinnerung an Big Macs, Fritten und Whopper dazu führt, dass wir auf langfristige, strategische, kluge Entscheidungen pfeifen – und stattdessen lieber die schnelle Belohnung einheimsen.

Der Erfolg von Fast Food schadet also offenbar nicht nur dem Hüftumfang – sondern womöglich auch dem Portmonnaie.

Quelle:
Sanford DeVoe, Julian House und Chen-Bo Zhong (2013). Fast Food and Financial Impatience: A Socioecological Approach. Journal of Personality and Social Psychology

4 Kommentare

  1. Nichtssagende Forschung.

    Prägt, wie die Überschrift uns glauben machen will wirklich die Fast-Food-Kultur das Sparverhalten? Könnte es nicht sein, dass Fast-Food Restaurants da entstehen, wo der lockere Umgang der Einwohner mit Geld einfach bessere Umsätze verspricht?

    Korrelation sagt nichts über Kausalität aus. Sich vor McD zu stellen und die Besucher zu befragen sagt auch nichts zur Kausalität aus. Es zeigt nicht, ob die befragten Personen durch den Besuch von McD in ihrem Sparverhalten geprägt sind, ob ihr Sparverhalten sie zum Besuch von McD verleitet oder ob es eine ganz andere Ursache gibt, die sowohl Sparverhalten als auch McD Besuche prägt.

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