10 psychologische Fakten über Facebook

In der aktuellen Titelgeschichte der WirtschaftsWoche beschreiben mein Kollege Jochen und ich die „Verkaufsmaschine Facebook“. Aus diesem Anlass hier zehn psychologische Fakten über Facebook.

Profile ähneln der Persönlichkeit…: Sagt ein Profil tatsächlich etwas über seinen Besitzer aus? Ja, resümierte Mitja Back von der Johannes Gutenberg-Universität von Mainz in einer Studie (.pdf) in diesem Jahr. Gemeinsam mit Kollegen analysierte er 236 deutsche und amerikanische Studenten. Zuerst charakterisierten die Wissenschaftler die Persönlichkeiten anhand der sogenannten Big Five-Merkmale (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit). Anschließend wurden die Studenten befragt, wie sie sich selbst sahen. Und danach wurden unabhängige Probanden gebeten, die Online-Auftritte der Studenten zu bewerten. Verblüffend: Nicht nur, dass die Studenten mehrheitlich dazu neigten, ihr wahres Ich auch in ihrem Online-Profil zu präsentieren. Die fremden Testpersonen konnten einige der fünf Persönlichkeits-Kategorien auch korrekt zuordnen.

…sie offenbaren auch Narzissmus: Zu den Erkenntnissen von Mitja Back passt auch eine Studie aus dem Jahr 2008. Laura Buffardi von der Universität von Georgia ließ 130 Facebook-Nutzer Angaben zu ihrer Person machen. Freiwillige betrachteten dann deren Profilseiten und beurteilten ihre Persönlichkeit. Narzissten vermarkteten sich auf Facebook besonders eitel  – und wurden von den unabhängigen Betrachtern auch als selbstherrlich identifiziert.

Facebook ist ein Beziehungsseismograph: Es gibt ja nichts, was es nicht gibt. David McCandless ist dafür der beste Beweis. Er hat mit seinem Team kürzlich über 10.000 öffentliche Statusmeldungen auf Facebook ausgewertet – insbesondere wann virtuelle Freunde dort miteinander Schluss machten. Kurioses Ergebnis: Am meisten gehen Beziehungen kurz vor Weihnachten in die Brüche sowie an Montagen. Warum? Unklar – noch.

Wie Medien unser Verhalten manipulieren, erfahren Sie in meinem Buch "Ich denke, also spinn ich", das im Juli 2011 im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist.

Zu wenig Freunde machen unattraktiv – zu viele aber auch: Ich will ehrlich sein – Facebook-Nutzer mit einer Freundesanzahl im hohen dreistelligen Bereich sind mir suspekt. Mit dieser Einschätzung bin ich nicht allein, wie Stephanie Tom Tong von der Michigan State Universität im Jahr 2008 in einer Studie (.pdf) zeigen konnte. 132 Studenten schauten für ihre Untersuchung auf ein konstruiertes Facebook-Profil – allerdings hatte diese Testperson jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Freunden – von 102 bis 902. Die Probanden sollten angeben, wie attraktiv sie die Person fanden. Und siehe da: Die Anzahl der Freunde hatte einen erheblichen Einfluss auf die Attraktivität. Am anziehendsten fanden die Teilnehmer die Person mit 302 Freunden – je weiter sie darunter oder darüber lag, desto unattraktiver fanden die Probanden sie.

Gutaussehende Freunde steigern die eigene Attraktivität: Zu diesem Ergebnis gelangte Joseph Walther, ebenfalls von der Michigan State Universität in seiner Studie (.pdf) in 2008. 389 Freiwillige sollten die Profile von Fremden bewerten – wobei auf ihren Pinnwänden mal äußerst attraktive, mal weniger ansehnliche Personen Einträge hinterlassen hatten. Wenig überraschend: Im ersten Fall wurden die Profilinhaber als wesentlich attraktiver beurteilt. Offenbar färbten ihre Freunde auf sie ab.

Langweiliges Geschwätz beendet digitale Freundschaften: Sind Sie auch zunehmend genervt von einigen ihrer Facebook-Freunde, die ihre Pinnwand mit unnötigen und uninteressantem Kram zumüllen? Dann werden Sie die Freundschaft sicher bald beenden. Das zumindest legt eine Studie von Christopher Sibona von der Universität von Colorado nahe. Er befragte via Twitter 1500 Facebook-Nutzer nach ihrem Hauptgrund, jemanden zu „entfreunden“. Wenig überraschend: Auf Platz Eins steht das häufige Posten von langweiligen Inhalten. Auf Platz Zwei: Posts über polarisierende Themen wie Religion oder Politik, gefolgt von gewalttätigen oder rassistischen Bemerkungen.

Der Erfolg von Facebook hat sechs Gründe: Weit über 500 Millionen Menschen weltweit haben sich inzwischen bei Facebook angemeldet. Adam Joinson von der Universität von Bath fragte sich schon im Jahr 2008: Warum tun die das alle? Genau das wollte er in seiner Studie (.pdf) von 137 Nutzern wissen. Dabei identifizierte er sechs Hauptantriebe für die Facebook-Mitgliedschaft: Kontaktaufnahme mit alten Freunden, soziale Überwachung (erfahren, was die Freunde so machen, ohne mit ihnen zu reden), Bekanntschaften online nachzuschlagen, Fremde online zu beobachten, Statusmeldungen und das Teilen von Inhalten.

Herumsurfen macht glücklich: Verbringen Sie auch gerne Stunden auf Facebook? Ohne wirkliches Ziel? Indem Sie einfach nur die Profile von Fremden anschauen? Kein Wunder. Kevin Wise von der Universität von Missouri bat die Teilnehmer seines Experiments in diesem Jahr, Zeit auf Facebook verbringen. Sie konnten dort tun und lassen, was sie wollten – und Wise zeichnete deren Gefühlslage auf. Siehe da: Am glücklichsten waren jene, die ziellos herumsurften.

Facebook-Nutzer haben schlechtere Noten: Aryn Karpinski befragte für ihre Studie 219 College-Studenten, von denen 148 bei Facebook angemeldet waren. Offenbar wirkte sich die Mitgliedschaft nicht unbedingt positiv auf die Noten aus: Facebook-Nutzer waren im Schnitt einen halben Notenschritt schlechter als Studenten der Vergleichsgruppe.

Fans sind weiblich und kauffreudig: Was macht den typischen Facebook-Fan aus? Dieser Frage widmeten sich die Werbeagentur DDB und die französische Marktforschung Opinion Way in einer Umfrage unter 1600 Nutzern in sechs Ländern. Ergebnis ihrer Studie: Der durchschnittliche Fan ist 31,4 Jahre alt, weiblich, besucht Facebook mehrmals täglich und folgt im knapp neun Unternehmensseiten.

125 Kommentare

  1. Da sind schon ein paar Ergebnisse dabei, die ich noch nicht kannte und auch ganz spannend finde. Auch wenn man bestimmte Dinge wirklich nicht erklären kann, zum Beispiel, warum Leute besonders oft an Montagen Schluss machen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass man montags schlechter zufrieden ist, als an restlichen Tagen. Da gab es ja schon diverse bekannte Songs zu dem Thema, wie „Manic Monday“ etc. Dass Surfen auf Facebook glücklich macht, ist allerdings auch fraglich. Natürlich ist es interessant, sich die Fotos von Freunden anzusehen oder deren Posts zu lesen, aber ich habe auch schon Studien gelesen, laut denen es viele User unglücklich macht, die Fotos von Freunden aus dem Urlaub etc durchzusehen, weil diese Neid erzeugen.

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