IQ-Tests messen eher Motivation als Intelligenz

Haben Sie schon mal einen IQ-Test absolviert und waren mit dem Resultat unzufrieden? Dann haben Sie nun eine Ausrede: Ihnen fehlte es an Motivation – denn genau die entscheidet laut einer neuen Studie maßgeblich über das Ergebnis.

IQ-Tests sind so beliebt wie umstritten. Schon lange diskutieren Wissenschaftler, was das Resultat wirklich über einen Menschen aussagt – und vor allem: welche Rolle der IQ im späteren Leben spielt. Zwar gibt es Dutzende von Studien, die einen Zusammenhang feststellen zwischen dem Testergebnis und Erfolgsfaktoren wie guten Schulnoten, dem späteren Einkommen oder gar der Lebensdauer.

Problematisch ist jedoch, dass mit dem Abschneiden in einem IQ-Test zunehmend allgemeine Intelligenz gleichgesetzt wurde. Dies trug dazu bei, dem Test ein fast mythisches Image zu verpassen – war er doch vermeintlich dazu in der Lage, die Klugheit und in gewisser Weise auch die Zukunft der Testpersonen vorherzusagen.

Doch es gibt ebenso viele kritische Stimmen. Schon der Psychologe Edwin Boring hielt die Tests in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts für albern: Sie bestimmten letztendlich bloß die Fähigkeit, in einem Intelligenztest gut abzuschneiden, meinte er augenzwinkernd. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Jetzt kratzt die Psychologieprofessorin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania in einer neuen Studie (.pdf) weiter am Mythos IQ-Test. Um die Pointe vorwegzunehmen: Ihre Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass die Tests keineswegs allein den Intelligenzquotienten der Teilnehmer bestimmen – sondern dass das Ergebnis stark vom Antrieb der Probanden abhängt. Mit anderen Worten: IQ-Tests messen eher die Motivation als die Intelligenz.

Gang ins Archiv

Für den ersten Teil ihrer Studie kletterte Duckworth mit ihren Team von Ko-Autoren ins wissenschaftliche Archiv. Gemeinsam recherchierten die Forscher sämtliche Untersuchungen, die in der Vergangenheit analysiert hatten, wie sich Anreize auf das Abschneiden in einem Intelligenztest auswirken. Dabei suchten Duckworth und Co. ausschließlich nach empirischen Studien, bei denen ein Teil der Teilnehmer materielle Belohnungen für die Leistung in einem IQ-Test bekommen hatte. 19 publizierte Aufsätze und sechs Dissertationen konnten die Wissenschaftler finden, insgesamt 2008 verschiedene Personen hatten daran teilgenommen.

Fazit: Die finanziellen Anreize erhöhten den IQ der Getesteten – und zwar ganz erheblich. Durchschnittlich stieg der IQ um zehn Punkte, wenn die Personen dafür eine Belohnung erhielten. Je höher der Bonus, desto höher der IQ. Mehr noch: Besonders wirksam waren die sprichwörtlichen Möhren vor der Nase, wenn die Personen im unteren IQ-Bereich angesiedelt waren.

Erfolgsfaktor Motivation

Im zweiten Teil ihrer Untersuchung analysierte Duckworth eine amerikanische Langzeitstudie. Etwa 500 Jungen hatten Ende der Achtzigerjahre an einem IQ-Test teilgenommen, damals waren sie im Schnitt zwölf Jahre alt. Während sie über den Aufgaben brüteten, waren sie von den Wissenschaftlern auf Video aufgenommen worden. Der Sinn der Sache: Damals wollten die Forscher festhalten, wie konzentriert die Kinder waren, wie leicht sie sich ablenken ließen, ob sie gähnten oder verträumt durch den Raum schauten.

Duckworth verfolgte nun den Lebensweg von 250 der getesteten Jungen. Außerdem zeigte sie drei geschulten Wissenschaftlern die Videos der damaligen Tests. Die Experten sollten notieren, wie motiviert die Gruppe während des Tests gewesen war.

Und siehe da: Nicht nur wirkte sich die Motivation positiv auf das Testergebnis aus. Zwar konnte der Intelligenzquotient ziemlich präzise vorhersagen, ob die Jungen gute Schulnoten haben würden oder nicht – doch nicht viel mehr. Andere wichtige Erfolgsfaktoren, etwa einen Schulabschluss oder die Suche nach einem Job, ließ sich mithilfe des IQ nicht prognostizieren – wohl aber mit dem Faktor Motivation.

„Ein gutes Abschneiden im IQ-Test bedarf sowohl hoher Intelligenz als auch hoher Motivation“, resümiert Duckworth, „wer hingegen im IQ-Test schlecht abschneidet, ist entweder unterdurchschnittlich intelligent oder aber demotiviert.“

Will sagen: Wer in einem IQ-Test besonders hohe Werte erzielt, ist noch lange nicht schlauer als alle anderen – sondern vielleicht einfach ehrgeiziger.

[via Not Exactly Rocket Science]

Trackbacks

  1. […] intelligenter seien. Diese skurrilen Forschungen wurden einige Jahre später von den umstrittenen Intelligenztests ersetzt, die ebenfalls eine Art soziale Hierarchie […]

  2. […] Steht so schon hier:  http://babyernaehrung.goodbabyfood.com/ernaehrungsplan-baby1.html ;)Jetzt ist das, was ich schon lange schreibe, endlich auch offiziell – für alle wissenschaftsgläubi…folgenden Veränderungen der Ernährung." Hier der zugehörige Artikel von […]

  3. […] es seit jeher Diskussionen. Vor allem eine Komponente wird beim Ergebnis oft nicht berücksichtigt: die Motivation der Teilnehmer. Wer in einem IQ-Test hohe Werte erzielt, ist noch lange nicht besonders schlau, aber vielleicht […]

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