Falsche Moral – Sozialismus fördert Unehrlichkeit

Beeinflusst das politische System das Verhalten der Bürger? Unbedingt, resümieren Forscher in einer neuen Studie. Bei Beobachtungen in Berlin stellten sie fest: Je länger jemand im Sozialismus lebt, desto unehrlicher verhält er sich.

UnehrlichkeitSpätestens seit der Finanzkrise diskutiert die Öffentlichkeit viel über die negativen Folgen des Kapitalismus. Er habe die Ungleichheit zwischen den wenigen ganz oben und den vielen da unten erhöht, behaupten die einen. Er rechtfertige Massenentlassungen, Profitstreben und Gier, sagen die anderen. Er stelle den schnellen, kurzen Profit vor den nachhaltigen Gewinn, belohne Geiz, Egoismus und Unehrlichkeit.

Aber besteht dieser Zusammenhang tatsächlich – zwischen dem politisch-wirtschaftlichem System einerseits und dem moralisch-ethischem Verhalten der Bürger andererseits? Und falls ja: Fördert der Kapitalismus tatsächlich den Eigennutz?

Weit gefehlt, behaupten nun Wissenschaftler um den renommierten Verhaltensökonom Dan Ariely von der Duke Universität. Vielmehr ist es der Sozialismus, der mit Egoismus und Unehrlichkeit zusammenhängt. Zu diesem Ergebnis gelangte Ariely ausgerechnet – in Deutschland.

Für die Feldstudie gingen die Forscher an fünf Tagen im Dezember 2013 in neun verschiedene Berliner Bürgerämter. Einige lagen in der Nähe der früheren Grenze, etwa in Neukölln, Mitte und Pankow. Andere befanden sich in den Außenbezirken, mal im Westen, mal im Osten der Stadt.

Dort beobachteten sie nun 259 Menschen, die gerade ihren neuen Pass oder Personalausweis abholten. Sie luden sie zu einem kleinen Spielchen ein, bei dem es maximal sechs Euro zu gewinnen gab.

Die Aufgabe war simpel: Jeder Teilnehmer sollte 40 Mal einen Würfel werfen und jeden Wurf anschließend sofort auf einem Blatt Papier notieren. Je höher die durchschnittliche Punktzahl, desto mehr Geld winkte.

Der Clou war allerdings: Vor jedem Wurf sollten sie entscheiden, ob die obere Augenzahl oder die untere, verdeckte Zahl zählen sollte. Diese Entscheidung konnten sie für sich behalten.

Mit anderen Worten: Sobald der Würfel landete, hatten sie einen Anlass zum Schummeln – und zwar dann, wenn sie zum Beispiel die obere Seite gewählt hatten, diese nun aber eine „Eins“ zeigte. Dann konnten sie vorgaukeln, sich ohnehin vorab für die Unterseite entschieden zu haben – und eine „Sechs“ eintragen.

Mit dieser simplen Methode konnten die Forscher nachvollziehen, wie ehrlich die Teilnhemer waren – falls ja, hätten sie genauso oft „eins“, „zwei“ und „drei“ gewürfelt wie vier, fünf und sechs.

Als Ariely und seine Kollegen die Ergebnisse verglichen, stießen sie auf einen kuriosen Zusammenhang: Jene mit ostdeutschen Wurzeln betuppten doppelt so oft wie jene aus Westdeutschland. Mehr noch: Je länger sie in der DDR gelebt hatten, desto unehrlicher verhielten sie sich.

Flapsig formuliert könnte man also sagen: Ossis lügen mehr – aber das wäre nicht nur diskriminierend, sondern auch falsch. Vielmehr sehen die Wissenschaftler die Wirkung des Sozialismus am Werk.

„Er beeinflusst die Moralvorstellungen der Bürger“, schreiben die Forscher. Wer Eigentum anhäufen wollte, musste die offiziellen, erlaubten Wege verlassen. Meinungsfreiheit war unbekannt, die Stasi schürte das Misstrauen. Alles Faktoren, durch die die Sitten eher verrohen.

Vielleicht ist an dem Verhalten aber auch die ökonomische Not schuld – oder die Tatsache, dass sich manche Ostdeutsche immer noch benachteiligt fühlen.

Was auch immer letztlich zu dem Verhalten führte: Offenbar ist der Kapitalismus doch gar nicht so schlecht.

Quelle:
Dan Ariely et al (2014). The (True) Legacy of Two Really Existing Economic Systems, Munich Discussion Paper No. 2014-26

[Foto: Minerva Studio / Shutterstock.com]

 

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