10 psychologische Fakten über Berührungen

„Es gibt Menschen, deren einmalige Berührung mit uns für immer den Stachel in uns zurücklässt, ihrer Achtung und Freundschaft wert zu bleiben“, dichtete einst Christian Morgenstern. Unbestritten ist: Unser Tastsinn begleitet uns durch sämtliche Lebensstationen – 10 Erkenntnisse zur Psychologie von Berührungen.

1. Die Berührung einer Frau macht Männer risikofreudiger
Wollen Sie Geld investieren? In den Bergen klettern gehen? Vom Zehnmeterbrett springen? Nur zu – aber glaubt man Jonathan Levav von der Columbia Universität und Jennifer Argo von der Universität von Alberta, dann sollten Sie vorher den direkten Kontakt mit einer Frau meiden. In ihrer kürzlich veröffentlichten Studie wollten die Wissenschaftler untersuchen, wie risikofreudig sich die Versuchsteilnehmer im Umgang mit Geld zeigten. Jeder Proband wurde unterschiedlich begrüßt: Mit einer Berührung an der Schulter, per Händeschütteln oder ohne körperlichen Kontakt. Mal übernahm diese Begrüßung eine Frau, mal ein Mann. Ergebnis: Wer von einer Frau zur Begrüßung an der Schulter berührt worden war oder ihre Hand geschüttelt hatte, verhielt sich im anschließenden Experiment am risikoreichsten. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass unsere Mütter uns durch Berührungen im Kindesalter Sicherheit vermitteln – offenbar hält diese Wirkung bis ins Erwachsenenalter.

2. Erfolgreiche Sportteams berühren sich häufiger
Psychologen um Dacher Keltner von der Universität von Kalifornien in Berkeley fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass offenbar ein Zusammenhang besteht zwischen dem Erfolg einer Sportmannschaft und der Frequenz, mit der sich die einzelnen Teammitglieder berühren. Die Forscher werteten verschiedene Mannschaften der US-Basketballliga NBA aus. Die besten Teams klatschten sich demnach am häufigsten ab oder gaben sich aufmunternde Klapse. Allerdings zweifelt Keltner selbst daran, ob die Ergebnisse repräsentativ sind – zumal das klassische Henne-Ei-Problem besteht: Sind die Mannschaften so stark, weil sie so viel Körperkontakt haben, oder berühren sich erfolgreiche Mannschaften nicht einfach häufiger?

3. Berührungen transportieren Emotionen
Der US-Psychologe Matthew Hertenstein von der US-Universität DePauw stellte seine Versuchspersonen im Jahr 2006 vor eine schwierige Aufgabe (.pdf): Sie sollten einem Fremden verschiedene Emotionen wie Dankbarkeit, Ekel oder Liebe vermitteln – allerdings hatte Hertenstein diesen Personen die Augen verbunden. Also blieb den Probanden nur die Möglichkeit, die Gefühle per Berührung zu übermitteln. In 70 Prozent der Fälle gelang das auch.

4. Die Berührung warmer Gegenstände macht großzügig
Lawrence Williams von der Universität von Colorado und John Bargh von der Yale Universität gelangten in zwei Experimenten (.pdf) im Jahr 2008 zu erstaunlichen Erkenntnissen: Einerseits bewerteten Teilnehmer einen Fremden als großzügiger und fürsorglicher, wenn sie zuvor kurz einen Becher mit warmem Kaffee in Händen hielten. Andererseits sorgte ein Wärmekissen dafür, dass die Teilnehmer eher ein Geschenk für Freunde aussuchten als für sich selbst.

5. Händchenhalten mit Partnern beruhigt
Jetzt wird es kurz ein bisschen grausam: James Coan von der Universität von Virginia bedrohte in seinem Experiment im Jahr 2006 16 verheiratete Frauen mit einem Elektroschock. Währenddessen hielten sie entweder die Hand ihres Ehemannes, die Hand eines Fremden oder waren auf sich allein gestellt. Am wenigsten bedroht fühlten sie sich, wenn sie die Hand ihres Gatten hielten – sogar das Gehirn zeigte dann am wenigsten Reaktionen.

6. Berührungen disziplinieren Patienten
Der französische Psychologe Nicolas Guéguen kooperierte für seine Studie im Jahr 2009 mit vier Ärzten. Sie bekamen die Anweisung, Patienten leicht am Arm zu berühren, während sie sie an die Einnahme eines Medikaments erinnerten. Ergebnis: Die Patienten nahmen ihre Medizin regelmäßiger.

7. Berührungen helfen beim Anbaggern
Und noch einmal Nicolas Guéguen. Für sein Experiment im Jahr 2007 sollte ein Komplize Frauen in einem Nachtclub zum Tanz auffordern. Berührte er sie nicht, sagten nur 43 Prozent zu. Wenn er die Frau leicht am Arm berührte, kamen 65 Prozent der Aufforderung nach.

8. Massagen hellen die Stimmung auf
Die US-Forscherin Tiffany Field tat 47 Frauen mit pränataler Depression für eine Studie im Jahr 2007 einen besonderen Gefallen. Über mehrere Monate hinweg erhielten sie von ihrem Partner zwei Mal wöchentlich eine Massage. Das linderte nicht nur körperliche Beschwerden, sondern hellte auch ihre Stimmung auf. Mehr noch: Auch mit der Beziehung waren beide zufriedener.

9. Frauen haben einen feineren Tastsinn
Ja, liebe Männer, Frauen sind sensibler – wortwörtlich: Daniel Goldreich von der McMaster Universität in Ontario maß im vergangenen Jahr zunächst die Länge der Fingerspitzen von 100 Studenten. Danach testete er, wie empfindsam sie in den Fingern waren. Ergebnis: Je kleiner die Finger, desto empfindsamer waren die Probanden. Das wiederum erklärt auch, warum Frauen sensibler sind – denn meist haben sie ja kleinere Finger als Männer.

10. Das Auge täuscht Berührungen vor
Schwedische Wissenschaftler um Valeria Petkova von der Uni Stockholm überlegten sich für ein Experiment (.pdf) im Jahr 2009 einen Trick. Die Versuchsteilnehmer streckten beide Hände aus, doch die rechte Hand verschwand hinter einem Vorhang. Stattdessen sahen die Probanden die Gummiattrappe einer rechten Hand. Nun streichelten die Wissenschaftler die echte linke Hand und die falsche rechte. Erstaunlich: Die Versuchspersonen meinten, an ihrer echten rechten Hand berührt zu werden.

39 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.