Wer glücklich ist, führt weniger Small-Talk

„Gespräche sind wie Reisen zu Schiff“, dichtete einst der französische Schriftsteller Nicolas Chamfort, „man entfernt sich vom Festland, ehe man es merkt, und ist schon weit, ehe man merkt, daß man das Ufer verlassen hat.“ Psychologen wollen jetzt herausgefunden haben: Glückliche Menschen führen tiefgründigere Gespräche und weniger Small-Talk. Bei unglücklichen Menschen ist es genau umgekehrt.

Für ihre Studie ließ ein Team von Wissenschaftlern um Matthias R. Mehl von der Universität von Arizona 79 Freiwillige vier Tage lang ein elektronisches Aufnahmegerät tragen. Alle zwölf Minuten schaltete sich das Gerät für 30 Sekunden lang an und nahm die Geräusche auf – also auch die Unterhaltungen der Versuchsteilnehmer. Danach werteten Mehl und Kollegen die Inhalte der Gespräche aus und unterteilten sie in trivialen Small-Talk oder substantielle Diskussionen. Außerdem gaben die Teilnehmer an, wie gut sie sich körperlich und geistig fühlten.

Ergebnis: Die glücklichen Teilnehmer verbrachten nicht nur 25 Prozent weniger Zeit alleine, sondern sie redeten auch 70 Prozent mehr als die unglücklichen. Mehr noch: Die Glücklichen führten doppelt so viele tiefgründige Gespräche und verbrachten ein Drittel weniger Zeit mit belanglosem Small-Talk.

Zugegeben, die Studie lässt zwei Einwände zu. Erstens stellt sich die Frage, ob die Wissenschaftler plausibel zwischen Small-Talk und tiefgründigen Gesprächen unterschieden (und nach welchen Kriterien). Zweitens haben wir hier mal wieder das Henne-Ei-Problem – denn es ist unklar, ob glückliche Menschen bessere Gespräche führen. Oder ob Menschen, die bessere Gespräche führen, glücklicher sind. Oder beides.

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  1. […] als jene Menschen, die gerne und stundenlang über Alles und Nichts plauschen können. Wie das Wissenschafts-Blog Alltagsforschung berichtet, mussten 79 Freiwillige für die Studie je vier Tage lang einen Rekorder mit sich herumtragen, der […]

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