Stutenbissigkeit – Wie reagieren Frauen auf schöne Konkurrentinnen?

Ein altes Klischee besagt: Männer springen sofort auf aufreizend gekleidete Frauen an. Eine neue Studie zeigt: Auch Frauen reagieren auf die Anwesenheit einer vermeintlichen Sexbombe – aus evolutionären Gründen.

Langes blondes Haar, große Brüste, schlanke Taille, enges Top, Minirock…nein, ich fantasiere nicht – ich beschreibe lediglich die Testperson einer neuen Studie von Tracy Vaillancourt, Psychologin an der Universität von Ottawa.

Die meisten Frauen würden wohl davon ausgehen, dass wir Männer uns beim Anblick einer solchen Frau von unseren Hormonen leiten lassen, und zumindest einen oder zwei Blicke auf die aufreizend gekleidete Dame werfen. Tjaja, so sind wir Männer eben: oberflächlich und triebgesteuert.

Wissen Sie was? Frauen sind nicht viel besser. Sie reagieren ebenfalls auf die Anwesenheit einer vermeintlichen Sexbombe – allerdings anders als sabbernde Männer. Anders, aber nicht besser. Ganz im Gegenteil. So zumindest lautet das Fazit von Vaillancourts Studie.

Im ersten Versuch teilte sie 86 Studentinnen im Alter zwischen 19 und 23 in Zweiergrüppchen. Die Frauen gingen davon aus, dass sie in Kürze an einer Diskussion über Freundschaften teilnehmen würden. Nun betrat eine Komplizin von Vaillancourt den Raum – und zwar in zwei verschiedenen Versionen.

Mal war die blonde Frau „normal“ gekleidet. Sie trug eine graue Hose und ein blaues T-Shirt, die Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden. Böse könnte man sagen: Sie sah etwas langweilig aus. Die andere Gruppe bekam eine, nun ja: verschärfte Version zu sehen. Ihnen begegnete dieselbe Frau mit offenen Haaren und engem, weit ausgeschnittenem Top, unter dem ihre Brüste zumindest zu erahnen waren. Dazu trug sie einen knappen Minirock und schwarze, hohe Lederstiefel.

Bei beiden Gruppen verhielt sich die Frau exakt gleich: Sie klopfte ein paar Mal an die Tür, ging dann quer durch den Raum und stellte den Zweierpärchen eine belanglose Frage. Dann verließ sie den Raum. Ob die aufreizend gekleidete Komplizin andere Reaktionen hervorrief? Aber hallo.

Was die Probandinnen nicht wussten: Vaillancourt filmte sie während des gesamten Versuchs mit einer versteckten Kamera. Diese Aufnahmen zeigte die Psychologin hinterher einer Reihe unabhängiger Beobachter. Sie sollten bewerten, wie zickig die Teilnehmerinnen auf die Frau reagiert hatten. Und siehe da: Das Outfit zeigte erhebliche Wirkung. War die Komplizin aufreizend gekleidet, fanden die Beobachter die Teilnehmerinnen drei Mal so zickig wie im Normalzustand.

Mehr noch: Diese offenkundige Aversion spiegelte sich sogar in ihrem Gesicht und ihren Äußerungen wider. Waren die Frauen der sexy Komplizin begegnet, guckten sie sich wesentlich häufiger an, machten ein wütendes Gesicht, lachten oder lästerten. Eine unterstellte ihr, sie wolle doch bestimmt nur Sex mit einem Professor haben, eine andere mokierte, ihre Brüste seien kurz davor herauszufallen.

Kein Interesse an Freundschaft

Im zweiten Versuch wurden 66 andere Frauen mit unterschiedlichen Fotos der Komplizin konfrontiert. Zusätzlich zum normalen und zum aufreizenden Outfit hatte Vaillancourt ein drittes Foto erstellt. Darauf trug die Frau zwar dasselbe knappe Outfit – allerdings hatte die Psychologin sie am Computer künstlich dicker gemacht. Die Frauen sollten nun auf einer Skala angeben, wie wahrscheinlich es sei, dass sie sich mit den verschiedenen Frauen anfreunden würden – und ob sie sie eventuell ihrem Freund vorstellen würden.

Sie ahnen es sicher schon: Die aufreizend gekleidete Dame kam am schlechtesten weg. Zwar fanden sie alle am anziehendsten – an einer Freundschaft mit ihr hatten sie jedoch das geringste Interesse. Und ihrem Freund wollten sie sie auch wesentlich seltener vorstellen als die anderen beiden Versionen – geschweige denn, die beiden alleine in einem Raum lassen.

Wenn Frauen kämpfen

Das Leben ist kein Ponyhof, Menschen sind längst nicht immer nett zueinander sind. Wettbewerb gehört zur Evolution wie ein Docht zur Kerze. Vor allem wenn es um Fortpflanzung geht, bekämpfen wir uns, egal ob Mann oder Frau, mal mehr, mal weniger. Und so erklärt sich Tracy Vaillancourt auch die Ergebnisse ihrer Studie.

Es sei nachvollziehbar, dass Menschen Konkurrenten im Fortpflanzungskampf ausstechen wollen. Frauen wählten dabei zwischen zwei Herangehensweisen: Entweder sie werben für sich selbst, etwa durch äußere Signale wie Augenzwinkern, Make-Up, enge Kleidung. Oder sie versuchen, Rivalinnen schlecht zu machen, um deren Wert zu mindern. Das geschieht meist durch indirekte Aggression – sie verbreiten negative Gerüchte, versuchen die Rivalin zu isolieren oder äußern sich abfällig über sie. Da sie wissen, dass Männer eher auf attraktive Frauen stehen, wollen sie diese erst recht diskreditieren.

Und Vaillancourts Studie zeigt: Je aufreizender Frauen gekleidet sind, desto heftiger fällt die Reaktion anderer Frauen aus. Schöne Frauen haben es eben auch nicht leicht.

Quelle:
Tracy Vaillancourt und Aanchal Sharma. Intolerance of Sexy Peers: Intrasexual Competition Among Women. In: Aggressive Behavior (2011), Band 37, Seite 569–577

[Foto: jingdianmeinv1 unter cc-by-sa]

19 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Es ist erschreckend und es verletzt mich sehr, da dieses Verhalten bei mir schon leider an der Tagesordnung steht. Egal wo ich mich bewege, ich werde immer und immer wieder bis aufs tiefste beleidigt. Ich trage Sneakers, Jeans, T-Shirt, kein Make Up, dezente Schmuck, habe braune lange Haare, sportliche Figur.
    Ich kann auf Menschen meiner Meinung nach zu gehen und wünsche mir nichts sehnlicher als eine Kollegin oder Kollege. Frauen hassen mich. Männer wollen schlussendlich immer mehr. Ich behaupte von mir das ich selbstbewusst bin. Da ich auch alleine raus gehe. Selbst in der Arbeitswelt wird die Nase gerümpft, obwohl ich keinen Anlass gebe. Die Männer stehen anfänglich zu mir und kommen auf mich zu, sowie auch Privat. Doch schlussendlich schlagen sie sich dann auch leider auf Seiten der anderen. Würde behaupten Gruppenzwang , Angst selbst dann sich unbeliebt zu machen oder einfach kein Interesse da kein Zweck daraus gezogen werden kann.
    Jetzt würde ich mit Ihrer Studie in meinem denken nochmals bestätigt wurden. Genommen habe ich mr daraus “ Glaube an dich selbst und bleib dir treu.“

    Es grüßt Sie

    Tina Hahn

  2. Diese Situation ist genau bei mir ,obwohl ich keine sexy figur hab oder sexy anziehe.Wenn ich auch Sexy anziehe werde tue ich nur für meinem Mann ,nicht für die Frauen.Es gibt eine Frau die von meine Mann was will.Sie hat hässliche Gesicht und schlechte Charakter ,aber sexy Figur hat sie .Die Frau kenne ich ,weil sie arbeitet bei meiner Mann in gleichen Firma.Sie ist sehr neidisch und versucht immer meine Mann zu schnappen ,obwohl mein Mann nix von ihr will.
    Ich verstehe heut zu tage nicht warum sind die Frauen so neidisch ?Es sollte Mann denken deine Feind ist die Frauen.ich bin auch eine Frau aber ich bin nicht neidisch oder eifersüchtig .Also ich will mich nicht angeben ,ich habe hübsche Gesicht habe gute Charakter aber so schlechte Figur habe ich auch nicht hahaha.Die Frauen die mit anderen Frauen sowas antun ,kehrt das alles wieder zurück.
    Was auf diesen Website drauf steht stimmt alles,ich verstehe nicht wieso die Frauen sowas antun.Die Frauen die sowas machen das ist psycho und sind nicht normal und haben nicht anderes zu tun .

  3. Das hier geschilderte Phänomen habe ich in der Praxis oft beobachten können. Auch Frauen, die sich nach Außen hin moralisch geben, lassen hehre Ansprüche sofort fallen, wenn Konkurrenz in das eigene Territorium vordringt.

  4. Naja.
    1.) Aufreizend gekleidet ist was anderes als schön.
    2.) Wussten denn die Beobachter, welche Version im Raum war? Könnte nicht die Erwartung der Beobachter, dass bei der sexy gekleideten Version das Gezicke größer ist, ihre Einschätzung beeinflusst haben?
    3.) Es gibt einfach einen Konsens über angemessene Kleidung und nicht angemessene Kleidung. Eventuell hätte es ein ähnliches Ergebnis mit einer männlichen Testperson und unangemessener Kleidung gegeben.

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