Sinnvolle Pause – Internet-Surfen im Job macht produktiv

Jeder zweite deutsche Arbeitnehmer hat im Büro einen Zugang zu Social-Media-Plattformen – und das ist auch gut so. Denn laut einer neuen Studie erhöht Internetsurfen im Job die Produktivität.

Neue Zeiten bringen stets neue Wörter hervor. Eines davon ist „Cyberloafing“. Klingt kompliziert, ist aber ganz simpel: Angestellte nutzen ihren beruflichen Internetzugang heutzutage häufig für private Zwecke. Diese Wortschöpfung ist abgeleitet vom Begriff des „Social Loafing“, was so viel bedeutet wie „Soziales Faulenzen“. Dahinter steckt die Befürchtung, dass Menschen in einer Gruppe häufig dazu neigen, ihre individuelle Anstrengung herunterzufahren – weil sie davon ausgehen, dass es ohnehin nicht auffällt.

Hier wäre dann auch die Gemeinsamkeit von „Cyberloafing“ und „Social Loafing“: Hinter beiden steckt die Befürchtung, dass Angestellte nicht unbedingt ihr Bestes geben und sich stattdessen anderen Tätigkeiten hingeben. Glaubt man Don Chen und Vivien Lim von der Nationalen Universität von Singapur, sind diese Sorgen jedoch übertrieben. Mehr noch: Wer im Job auch privat im Internet surfen darf, ist sogar produktiver. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden Wissenschaftler in einer neuen Studie, die sie in der vergangenen Woche auf dem Jahrestreffen der „Academy of Management“ im texanischen San Antonio präsentierten.

Im ersten Experiment gaben sie 96 Studenten einen Text mit 3500 Wörtern. Diese sollten darin nun 20 Minuten lang jeden Buchstaben „E“ kennzeichnen. Nun teilten die Wissenschaftler in drei Gruppen: Die erste bekam eine zehnminütige Zusatzaufgabe gestellt, die zweite konnte tun und lassen, was sie wollte – außer im Internet surfen. Die dritte durfte sich die Zeit im Netz vertreiben, etwa auf Nachrichtenseiten oder in Sozialen Netzwerken.

Im Anschluss sollten alle zehn Minuten lang „A’s“ in einem 2000 Wörter langen Text finden. Welche Gruppe sich in der zweiten Runde am besten schlug? Richtig: Jene, die Zeit im Internet verbracht hatte. Sie identifizierten im Schnitt 316 Buchstaben (Gruppe A). Wer alles tun durfte außer im Netz zu surfen, fand durchschnittlich 272 A’s (Gruppe B). Die Gruppe mit der Zusatzaufgabe unterstrich 227 Buchstaben (Gruppe C). Mit anderen Worten: Die Internetsurfer waren 16 Prozent produktiver als Gruppe B und sohgar 39 Prozent produktiver als Gruppe C. Mehr noch: Sie berichteten von geringerer geistiger Erschöpfung und weniger Langeweile.

Für den zweiten Teil der Studie befragten Chen und Lim 191 Absolventen einer Business School nach ihrem Job – und dabei erkannten die Wissenschaftler einen erheblichen Zusammenhang. Wer auch im Beruf im Netz surfte, war tendenziell interessierter, aktiver, energiegeladener und weniger gestresst.

„Internetsurfen entspannt“, resümieren Chen und Lim, „und zwar viel stärker als E-Mails zu schreiben.“ Wer sich also eine kleine Pause gönnen will, sollte lieber kurz auf Facebook vorbeizuschauen als sein Postfach zu entschlacken.

[via Wall Street Journal]

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  1. […] der andere darf auf der Arbeit nicht privat im Internet surfen – obwohl das in Wahrheit die Produktivität steigert. Egal ob im Job oder im Privatleben: Überall gibt es Regeln, Vorschriften und Gesetze, die unsere […]

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