Die drei Christusse von Ypsilanti

Wie reagieren Menschen, wenn sie jemanden kennenlernen, der behauptet, dieselbe Identität zu haben? Das testete ein US-Psychologe einst in einem inzwischen berühmten Experiment: Seine drei Probanden hielten sich für Jesus Christus.

Im Jahr 1959 brachte der Psychologe Milton Rokeach in einer Psychiatrie in Ypsilanti im Bundesstaat Michigan drei Männer zusammen: Der 38-jährige Leon Gabor, der 58-jährige Joseph Cassel und der 70-jährige Clyde Benson gingen jeder für sich davon aus, der wiedergeborene Jesus Christus von Nazareth zu sein.

Rokeach wollte herausfinden, wie Menschen mit diesem Widerspruch umgehen – nämlich auf jemanden zu treffen, der dieselbe Identität beansprucht. Ob diese Konfrontation dazu führen würde, die Persönlichkeitsstörung zu heilen?

Zwei Jahre lang ließ er die drei in der Klinik zusammenleben. Sie schliefen im selben Raum, aßen am selben Tisch und verrichteten ähnlichen Arbeiten in der Wäscherei. Schon wenige Tage nach dem ersten Aufeinandertreffen begannen die Teilnehmer, die Anwesenheit der anderen beiden Christusse zu rechtfertigen. Der eine behauptete, die zwei seien von Maschinen gesteuert, der andere unterstellte ihnen Schauspielerei.

Wenige Wochen später kam es zunächst zu hitzigen Diskussionen, dann zu kurzen tätlichen Übergriffen. Doch nach einer Weile arrangierten sich die drei mit den anderen beiden Christussen. Und so verbrachten sie die restliche Zeit in friedlicher Koexistenz – obwohl alle weiter darauf pochten, dass nur sie der echte Jesus seien.

Das Experiment hat Milton Rokeach in einem Buch festgehalten:  „Die drei Christusse von Ypsilanti“.

[via Mind Hacks]

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