Will ich sehen – Was bringen Fragen in Überschriften?

Laut einer neuen Studie gilt: Ist die Überschrift eines Artikels als Frage formuliert, wird der entsprechende Text häufiger gelesen. Vor allem dann, wenn der Leser persönlich angesprochen wird.

Mann vor Laptop

Seit einigen Jahren ist der Ökonom Audun Farbrot von der Norwegian Business School in Oslo bei Twitter aktiv. Unter dem Nutzernamen @afarbrot zwitschert er regelmäßig Neuigkeiten aus der Wissenschaft. Kürzlich nutzte er sein Twitter-Profil für ein Experiment.

Vier Monate lang twitterte er jeden Lesehinweis – also eine kurze Inhaltsangabe plus Link – je zwei Mal. Allerdings in unterschiedlichen Versionen.

Zunächst formulierte er die Hinweise in Form einer Aussage, also zum Beispiel „Macht korrumpiert“.

Eine Stunde später legte er noch mal nach. Aber diesmal packte er die Inhaltsangabe entweder in eine indirekte Frage („Sind Chefs von Macht korrumpiert?“) oder sprach die Leser mit der Frage persönlich an („Ist Ihr Chef von Macht korrumpiert?“).

Hinterher analysierte Farbrot, wie oft jeder Tweet angeklickt wurde. Und siehe da: Egal um welches Thema es ging – jene Tweets, die mit einer Frage eingeleitet wurden, klickten die Follower häufiger an. Fragen ohne direkte Leseransprache schnitten um 150 Prozent besser ab als die Aussagen. Die Fragen mit direkter Ansprache waren sogar um 175 Prozent beliebter.

Für ein zweites Experiment annoncierte Farbrot mit seiner Kollegin Linda Lai verschiedene Produkte in einem norwegischen Online-Auktionshaus. Mal verkauften sie ein iPhone 4, mal einen LCD-Fernseher von Philips.

Allerdings priesen sie die Produkte unterschiedlich an. Zunächst wählten sie eine einfache Aussage („Zum Verkauf: Schwarzes iPhone 4 mit 16 GB“). Dann wählten sie eine indirekte Frage („Braucht jemand ein neues iPhone 4?“). In Runde drei entschieden sie sich für eine rhetorische Frage („Sind wir uns einig, dass das iPhone 4 das beste Telefon überhaupt ist?“). Und zuletzt sprachen sie die Nutzer mit einer direkten Frage an („Ist das Ihr neues iPhone 4?“).

Und siehe da: Das wirkte.

Im Schnitt kletterte die Klickzahl bei rhetorischen Fragen um 103 Prozent. Indirekte Fragen sorgten für 137 Prozent mehr Klicks. Am erfolgreichsten waren erneut direkte Fragen: Hier stieg die Klickzahl sogar um 257 Prozent.

Offenbar sorgen also vor allem Fragen, mit denen der Leser direkt angesprochen wird, für größere Interaktion. Aber wieso?

Die beiden Wissenschaftler Daniel Howard und Thomas Barry widmeten sich dem Frageeffekt bereits in einer Studie im Jahr 1988. Wer eine Überschrift als Frage formuliere, erlange damit schneller Aufmerksamkeit. Denn die Frage setze beim Empfänger kognitive Prozesse in Gang.

Man könnte auch sagen: Persönliche Fragen machen den Leser neugierig, weil er sich angesprochen fühlt oder sofort über eine Antwort nachdenkt – und den Text deshalb umso lieber liest.

Quelle:
Linda Lai und Audun Farbrot (2013). What makes you click? The effect of question headlines on readership in computer-mediated communication. Social Influence

[Foto: ollyy via Shutterstock]

 

Kommentare

  1. Die Frage stellt einfach einen persönlichen Bezug her, und die will der Kunde/Leser. Wenn ich das Gefühl habe, da interessiert sich jemand für mich, weil er mich direkt fragt, ist die Verbindung schon hergestellt.

Trackbacks

  1. […] Will ich sehen – Was brin­gen Fra­gen in Über­schrif­ten? Setzt du schon alle Über­schrif­ten als Fragen? […]

  2. […] Hier gibt es einen Artikel zur Wirkung von Fragen im Titel. […]

  3. […] “Will ich sehen – Was bringen Fragen in Überschriften?” Sagt ihr es mir – haben euch die Fragen in den obigen Überschriften neugierig gemacht? Hinter dem Link verbirgt sich das kurz zusammengefasste Ergebnis einer Studie zu dem Thema. Sollte ich vielleicht auch mal berücksichtigen… […]

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