Voller Missgunst – Warum sind wir neidisch?

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung“, sagte einst der deutsche Dichter Wilhelm Busch. Aber woher kommt dieses Gefühl? Deutsche Psychologen behaupten in einer neuen Studie: Neid ist ein natürlicher Teil von uns – und es erfordert erhebliche Anstrengung, sich gegen ihn zu wehren.

Der christliche Glaube kennt sieben Todsünden: Stolz, Geiz, Wollust, Völlerei, Zorn, Trägheit – und Neid. Mit Letzterem beschäftigen sich kluge Menschen schon seit Jahrhunderten. Auf der einen Seite stehen die Geistesgrößen mit erhobenem Zeigefinger. Arthur Schopenhauer nannte Neid eine „giftige Kröte“, William Shakespeare ein „grünäugiges Monster“.

Auf der anderen Seite stehen Philosophen wie Aristoteles. Er vertrat als einer der ersten die Ansicht, dass Neid durchaus sinnvoll sein kann – wenn er uns dazu antreibt, uns noch mehr anzustrengen. Und auch aus evolutionärer Perspektive kann Neid durchaus sinnvoll sein: Das Gefühl hilft uns dabei, für den Kampf gegen andere gewappnet zu sein, wenn wir uns unserer Unterlegenheit bewusst werden.

Bislang gingen Psychologen allerdings davon aus, dass Neid nur in solchen Situationen auftaucht, die für unser Selbstbild enorm wichtig sind, egal ob bei materiellen oder immateriellen Dingen. Plumpes Beispiel: Ein Sportwagenfan, dessen Geld nur für einen Kleinwagen reicht, wird sich über den Porsche seines Nachbarn mehr ärgern als jemand, dem solche Wagen schnurzegal sind. Single-Männer, die auf brünette Frauen stehen, werden ihrem Kumpel die blonde Freundin kaum missgönnen.

Doch zwei deutsche Wissenschaftler zeigen jetzt: Selbst unbedeutende Dinge wie eine leckere Süßigkeit können Missgunst auslösen – und zwar deswegen, weil dieses Gefühl tief in uns verankert ist: „Neid ist eine natürliche und spontane Reaktion bei Unterlegenheit“, schreiben die beiden Sozialpsychologen Jan Crusius und Thomas Mussweiler von der Universität zu Köln in ihrer Studie (.pdf), die in der Februar-Ausgabe des Fachmagazins „Emotion“ erscheinen wird. „Und diese Reaktion taucht selbst dann auf, wenn der Grund für diese Unterlegenheit kaum Bedeutung für das eigene Selbstbild hat.“

Künstlich neidisch

Zu diesem Ergebnis kamen die beiden Forscher in insgesamt vier Experimenten. Bei jedem einzelnen wurden die Probanden künstlich neidisch gemacht, indem die Forscher sie absichtlich benachteiligten. Mal gaben sie ihnen No-Name-Kaubonbons, während ein Komplize leckere Markenschokolade testen durfte. Mal bekamen sie einen trockenen Keks statt sahniger Eiscreme, mal Sauerkrautsaft statt eines Fruchtsmoothies. Nun sollten die Probanden auf einer Skala von eins bis sieben angeben, wie neidisch sie auf ihr Gegenüber gewesen waren, das vermeintlich vom Zufall begünstigt worden war (in Wahrheit war die Benachteiligung natürlich beabsichtigt).

Doch vorab wurden sie in zwei Gruppen unterteilt: Gruppe A mussten die Ziffern „84734239“ memorieren, die anderen lediglich „11111111“. Mit anderen Worten: Gruppe A musste eine größere geistige Anstrengung unternehmen als Gruppe B. Und siehe da: Die unterschiedliche Aufgabenstellung wirkte sich auf die Intensität des Neids aus. Die Mitglieder von Gruppe A waren jedes Mal mehr als doppelt so neidisch wie jene aus Gruppe B. Außerdem waren sie dazu bereit, wesentlich mehr für das begehrte Naschwerk zu zahlen.

Crusius und Mussweiler erklären sich diese Reaktion wie folgt: Weil Neid die Betroffenen meist innerlich schmerzt und sie gleichzeitig wissen, dass Missgunst nicht gerade zu den feinsten Charakterzügen gehört, versuchen sie das Gefühl loszuwerden. Doch wenn unsere mentalen Ressourcen zu erschöpft dafür sind, um sich dagegen zu wehren, bahnt sich der Neid seinen Weg.

Viel entscheidender für das Ausmaß unserer Missgunst ist also nicht, ob jemand etwas besitzt, das wir auch gerne hätten – sondern ob wir in dieser Situation über die geistigen Ressourcen verfügen, unseren Neid im Zaum zu halten.

Quelle:
Jan Crusius und Thomas Mussweiler (2012). When People Want What Others Have: The Impulsive Side of Envious Desire. In: Emotion, Band 12, Ausgabe 1, Seite 142-153.

[Foto: NeoGaboX unter cc-by]

Kommentare

  1. Nein
    Der furchtbare Neid der Deutschen ist nicht NORMAL, , es ist angeboren und in der Familie drin. Jehmand schreibt es ist in Amerika genau so, NEIN muss ich dazu sagen und das ist der Grund weil ich es so sehr liebe in der USA zu leben und werde auch bleiben fuer mein restliches Leben. Auch die furchtbare Deutsche Kaelte haben wir nicht. Es ist das alte Lied, wenn man mit den Woelfen lebt schreit man mit und ich habe eben nicht mitgemacht und bin Gottseidank ausgewandert.
    Das beste dass ich jeh getan habe.

  2. Daniel Rettig says:

    @Daniel Breucker: Das gibts doch gar nicht! Vielen Dank für den Hinweis…

  3. Daniel Breucker says:

    Ich war letztens auf der Seite: http://www.neunsight-live.de/aktuelles/neid-missgunst-und-vorurteile , da kam mir der Text doch irgendwie recht bekannt vor 🙂

    Schade dass es diese c&p Mentalität immer noch gibt.

  4. http://t.co/oDM4Qwjh

    vor dem Hintergrund der Skandale um Guttenberg und Wulf …

  5. Schon mal neidisch auf einen tollen Job gewesen? Keine Sorge, das ist normal http://t.co/wtMrpEzf

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