Schlaubi Schlumpf – Wie wird mein Kind klüger?

So sehr Eltern ihr Kind auch lieben – ein kluges Kind ist allen lieber als ein dummes. Stellt sich die Frage: Können Eltern die Intelligenz ihrer Kinder positiv beeinflussen? Laut einer neuen Studie bedarf es dafür vor allem drei Faktoren.

Was tun manche Frauen nicht alles für ihre Kinder: Schwangere beschallen den Bauch mit Bach-Musik, andere lassen ihre Kinder ein Instrument lernen, wieder andere melden sie beim Buchstabierwettbewerb an. So unterschiedlich die pädagogischen Maßnahmen auch sind, so vergleichbar ist ihr Sinn und Zweck: Alle sollen das Beste aus dem Nachwuchs rausholen und ihn geistig fit für die Zukunft machen.

Aber lässt sich die Intelligenz von Kindern wirklich steigern? Und wenn ja, wie? Dieser Frage widmeten sich nun Psychologen um John Protzko von der New York Universität in einer neuen Studie (.pdf).

Wohlgemerkt: Sie konzipierten keine eigenen Experimente. Vielmehr sammelten sie in den wissenschaftlichen Datenbanken sämtliche Studien, in denen Forscher die Intelligenz von Kindern zu steigern versucht hatten.

Allerdings war Protzko bei der Auswahl kritisch: Er berücksichtigte Untersuchungen nur dann, wenn die Versuchspersonen eine Stichprobe aus der gesunden Bevölkerung darstellten; wenn es sich um „randomisierte kontrollierte Studien“ handelte, oder anders formuliert: wenn jeder Teilnehmer dieselbe Chance hatte, entweder in die Versuchs- oder Kontrollgruppe zu kommen; und wenn die Studien die Intelligenz der Kinder objektiv beurteilten.

Deshalb ignorierte der Forscher auch jene, die sich auf akademische Leistungen konzentrierten. Denn Schulnoten hängen ja nicht nur von der Intelligenz ab, sondern auch von Wissen und Motivation.

Am Ende blieben immerhin noch 74 Einzelstudien mit knapp 38.000 Teilnehmern übrig. Und aus diesen Studien destillierte Protzko drei Faktoren, die die Intelligenz der Kinder am zuverlässigsten gesteigert hatten.

1. Ungesättigte Fettsäuren. Zugegeben, das klingt erstmal völlig schräg. Doch Protzko fand tatsächlich einige Studien, bei denen Schwangere regelmäßig ungesättigte Fettsäuren zu sich nahmen oder junge Mütter die Fettsäuren ihrem Kind verabreichten. Mit Erfolg: Die Intelligenz jener Sprösslinge stieg im Vergleich zur Kontrollgruppe um 3,5 Punkte. Mögliche Erklärung: Die Säuren regten das Wachstum des Gehirns an. Falls Sie Ihrem Nachwuchs etwas Gutes tun wollen: Diese Säuren sind zum Beispiel in Nüssen, Getreide- und Pflanzenöl enthalten.

2. Erzieherische Maßnahmen. Vom Besuch einer Vorschule oder einer anderen pädagogischen Einrichtung profitierten vor allem Kinder aus finanziell benachteiligten Familien – ihr IQ stieg im Schnitt um mehr als vier Punkte. Denkbar ist laut Protzko, dass dadurch das Sprachvermögen der Kinder steigt und dadurch letztlich auch die Intelligenz. Ebenfalls möglich wäre, dass das Gehirn von den neuen Erfahrungen und der fremden Umgebung profitiert.

3. Interaktives Vorlesen. „Das steigerte den IQ um bis zu sechs Punkte“, resümierte Protzko. Die Wirkung ist vermutlich eher indirekt: Das Vorlesen beschleunigt die sprachliche Entwicklung – und das wirkt sich wiederum positiv auf die Intelligenz aus.

Der Forscher ist sich bewusst, dass es sicher noch mehr Maßnahmen gibt, von denen Kinder intellektuell profitieren können – aber vor allem diese drei hätten signifikante Vorteile. Nun zieht sich keine Mutter einen kleinen Einstein heran, wenn sie pausenlos Nüsse in sich oder ihr Kind hineinstopft. Aber schaden kann es offenbar auch nicht.

Quelle:
John Protzko, Joshua Aronson und Clancy Blair (2013). How to Make a Young Child Smarter: Evidence From the Database of Raising Intelligence, Perspectives on Psychological Science, Band 8, Nummer 1, Seite 25-40

[Foto: CarbonNYC unter cc-by]

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