Wann Perfektionismus schädlich ist – und wann nicht

Perfektionismus gilt nicht unbedingt als beste aller Tugenden – versucht doch der Perfektionist, ständig alles 110 Prozent richtig zu machen. Auf Dauer kann das nicht gut gehen – oder etwa doch? Einer aktuellen Studie zufolge gibt es zwei verschiedene Arten von Perfektionismus – und eine davon ist durchaus positiv.

Der amerikanische Journalist Tom Jacobs berichtete vor einigen Wochen von einer Studie des Psychologen Robert W. Hill von der Appalachian State Universität. Der untersuchte in einem Experiment die perfektionistischen Neigungen von 216 Psychologiestudenten sowie ihr seelisches Wohlbefinden. Er fand heraus, dass es durchaus Studenten gab, die mit ihrem Perfektionismus gut klar kamen und mit ihrem Leben sehr zufrieden waren – und zwar dann, wenn sie sich durch vier Eigenschaften auszeichneten: Sie wollten immer das Beste geben und verlangten das auch von anderen, planten vorausschauend und organisierten gerne. Je ausgeprägter diese Eigenschaften waren, desto glücklicher waren die Betroffenen.

Allerdings gab es auch Teilnehmer, die unter ihrem Perfektionismus litten – und zwar, wenn sie sich vor Fehlern fürchteten, auf Bestätigung anderer angewiesen waren, über die Vergangenheit grübelten und sie sich von ihren Eltern unter Druck gesetzt fühlten.

Gleichwohl betont Hill, dass bei den meisten Menschen eine Kombination dieser Eigenschaften vorhanden sei – es kommt eben darauf an, die positiven zu nutzen und die negativen auszublenden. Wie sagte schon der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt: „Perfektionismus ist ein schreckliches und nicht nur deutsches Laster.“

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