Höheres Einkommen, höhere Zufriedenheit

Macht höherer Wohlstand die Menschen glücklicher? Ja, behauptet ein Psychologe in einer neuen Studie, an der sich 800.000 Menschen in 135 Ländern beteiligten – allerdings nur dann, wenn drei Bedingungen erfüllt sind. 

Ed Diener hat sein gesamtes berufliches Leben einem Thema gewidmet: Zufriedenheit. Der emeritierte Professor der Universität Illinois ist einer der renommiertesten Glücksforscher weltweit. Er lehrt zwar nicht mehr, forscht aber weiterhin. Und in einer neuen Studie (.pdf) behauptet er: Höherer Wohlstand geht sehr wohl einher mit höherer Zufriedenheit.

Damit widerspricht Diener einmal mehr dem amerikanischen Ökonomen Richard Easterlin. Der hatte 1974 in einer heute legendären Studie (.pdf) behauptet, dass Wohlstand nicht zu mehr Zufriedenheit führe – das so genannte Easterlin-Paradox.

Demnach neigten die Menschen nunmal dazu, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Und da es immer jemanden, der noch mehr verdiene, mache mehr Wohlstand letztlich nicht glücklich. Außerdem hätten die Menschen bei höheren Einkommen auch höhere Erwartungen.

Doch Easterlin betrachtete damals vor allem die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Diese Herangehensweise wurde in den vergangenen Jahrzehnten häufig kritisiert. Und deshalb wählte Diener nun eine andere, präzisere Methodik. Für seine Studie griff er auf repräsentative Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup zurück. Von 2005 bis 2011 hatten etwa 800.000 Menschen aus 135 Ländern weltweit Fragen zu ihrem Leben beantwortet.

Diener analysierte nun bewusst nicht nur das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, also den Quotienten aus Bruttoinlandsprodukt und Einwohnerzahl, sondern auch die Einkommen der Haushalte. Nun betrachtete er, ob dieses Einkommen die materielle Situation des Durchschnittshaushalts veränderte; ob die Befragten mit ihrem Lebensstandard zufrieden waren; ob sie die Zukunft optimistisch oder pessimistisch sahen; ob sie genug Geld für Essen und ein Dach über dem Kopf hatten; ob sie einen Fernseher besaßen – ein Indiz dafür, dass sie Strom im Haus hatten; und ob sie ans Internet angeschlossen waren.

Und siehe da: Ein steigendes Haushaltseinkommen ging sehr wohl mit mehr Zufriedenheit einher. Jene Befragten bewerteten ihr Leben positiver und waren tendenziell glücklicher. Aber nur dann, wenn drei Bedingungen erfüllt waren. „Ein höheres Einkommen steigert vor allem dann das subjektive Wohlbefinden, wenn die Menschen sich mehr kaufen können, optimistisch sind und finanziell zufrieden“, schreibt Diener.

Mit anderen Worten: Wenn die Menschen die Zukunft pessimistisch sehen oder die finanziellen Ansprüche immer schneller steigen, verpufft der Glückseffekt. Geld allein macht eben nicht glücklich.

Quelle:
Ed Diener, Louis Tay und Shigehiro Oishi (2012). Rising Income and the Subjective Well-Being of Nations, Journal of Personality and Social Psychology

[Foto: Jason Hargrove unter cc-by]

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