Die Macht der kleinen Dinge – Was uns glücklich macht

Zwei Wissenschaftler resümieren in einer neuen Studie: Je älter wir werden, desto glücklicher machen uns alltägliche Erlebnisse. Es sind die kleinen Dinge, die zählen.

HarmonieBeginnen wir mit einer Binsenweisheit: Menschen wollen glücklich sein. So weit, so klar. Doch hier wird es bereits kompliziert. Denn wie sie das am besten erreichen, darüber gibt es unterschiedliche Philosophien.

Der eine will viele Länder sehen, der andere schnelle Autos fahren oder schicke Klamotten tragen. Wieder andere ziehen ihr Glück vor allem aus den alltäglichen, kleinen Begebenheiten. Ein Sonnenuntergang hier, ein Tag mit den Liebsten dort.

Wie gut, dass Wissenschaftler Rat wissen. Sie haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Erkenntnisse darüber gewonnen, was Menschen glücklich macht . Ein Rat lautet: Geben Sie Ihr Geld für Erlebnisse aus. Aus drei Gründen.

Erstens gewöhnen wir uns schnell an Besitztümer, zweitens bleiben Erlebnisse länger im Gedächtnis, drittens verbringen wir sie oft in Gesellschaft – und andere Menschen sind eine der größten Glücksquellen.

Das klingt zunächst einleuchtend. Doch eine Frage blieb offen: Welche Erlebnisse machen glücklicher? Sind es die außergewöhnlichen, seltenen, aufregenden, die wir fotografieren und memorieren? Das Bad in der Südsee, die Skitour in den Alpen, Wandern am Nordpol? Oder sind es die vermeintlich simplen, normalen, alltäglichen? Der Blick in den Sonnenuntergang, ein schönes Abendessen, ein gemütlicher Spaziergang?

Die Antwort: Es kommt drauf an – und zwar darauf, wie alt wir sind.

So lautet das Fazit einer neuen Studie, die demnächst im Journal of Consumer Research erscheinen wird.

Amit Bhattacharjee (Dartmouth College) und Cassie Mogilner (Wharton School) gewannen für acht verschiedene Versuche insgesamt mehr als 1000 Freiwillige im Alter zwischen 18 und 79. Mal sollten sie sich an ein vergangenes Erlebnis erinnern, das sie besonders glücklich gemacht hatte. Mal sollten sie sich ein zukünftiges Erlebnis ausmalen, das sie sehr glücklich machen würde.

Das Ergebnis: Die jüngeren Befragten zogen ihr Glück vor allem aus außergewöhnlichen Erlebnissen, die älteren waren mit vermeintlich unspektakulären Ereignissen zufrieden.

In einem weiteren Versuch manipulierten die Wissenschaftler die zeitliche Perspektive der Probanden. Die eine Gruppe ging davon aus, dass ihnen zumindest statistisch gesehen noch viel Zeit auf der Erde blieb. Die andere glaubte, dass sie nicht mehr allzu viel Zeit hätte.

Die Manipulation wirkte.

Je mehr Zukunft die Testpersonen noch sahen, desto eher zogen sie ihr Glück aus außergewöhnlichen Erlebnissen. Sahen sie ihr Ende bereits nahen, ließen sie sich auch von Alltagserlebnissen zufriedenstellen. Unabhängig davon, wie alt die Befragten tatsächlich waren.

Die Erklärung der Wissenschaftler: Junge Menschen sind womöglich noch auf der Suche nach ihrer Identität. Sie wollen ihren persönlichen Lebenslauf füllen – und zwar am liebsten mit echten Highlights. Ältere haben diese Phase schon hinter sich. Sie wissen, wer sie sind und wo sie stehen. Zwar suchen auch Senioren weiter nach sinnstiftenden Momenten. Doch sie geben sich auch mit weniger zufrieden.

„Wenn die Zukunft grenzenlos erscheint, übersehen wir die normalen Momente häufig“, sagt Bhattacharjee, „doch genau diese normalen Momente machen uns umso glücklicher, je weniger Zeit uns bleibt.“

Keine wirklich revolutionäre oder spektakuläre Erkenntnis. Aber eine, die man nicht oft genug wiederholen kann.

Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein.

Quelle:
Amit Bhattacharjee und Cassie Mogilner. Happiness from Ordinary and Extraordinary Experiences. Journal of Consumer Research

[Foto: Aletia via Shutterstock]

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