Mieses Karma – Falscher Stolz fördert Vorurteile

Eine neue Studie resümiert: Stolz wirkt sich nicht nur auf unser Selbstbild aus – sondern auch darauf, wir andere Menschen wahrnehmen.

Fitzwilliam Darcy hat zwei Gesichter. Der Protagonist aus Jane Austens Werk „Stolz und Vorurteil“ wird für sein stolzes Verhalten sowohl geliebt als auch gefürchtet. Mal ist er hochnäsig und arrogant, mal großzügig und nobel. Damit nahm die britische Schriftstellerin vorweg, was Psychologen seit einigen Jahren wissen: Stolz hat ebenfalls zwei Gesichter.

Der US-Psychologe Richard Lazarus definierte Stolz einst als emotionale Antwort auf Erfolg oder Überlegenheit. Inzwischen unterscheiden Wissenschaftler jedoch zwei verschiedene Arten. Auf der einen Seite steht der falsche Stolz (hubristic pride), der oft aus Selbstüberschätzung, Unsicherheit, Narzissmus oder mangelndem Selbstwertgefühl entsteht. Auf der anderen Seite gibt es den echten Stolz (authentic pride), der sich aus Selbstbewusstsein, Integrität und Authentizität speist.

Diese beiden Arten wirken sich nicht nur auf unser Selbstbild aus – sondern auch darauf, wie wir andere Menschen wahrnehmen: „Falscher Stolz fördert Vorurteile“, resümieren Claire Ashton-James (Universität Amsterdam) und Jessica Tracy (Universität von British Columbia) in einer neuen Studie, die in der April-Ausgabe des Fachjournals „Personality and Social Psychology Bulletin“ erscheinen wird.

Inzwischen ist es bekannt, dass bei der Entstehung von Vorurteilen immer auch die eigene Psyche eine Rolle spielt. Vereinfacht gesagt sind uns Konfusion und Zwiespältigkeit zuwider, denn sie stören unseren Seelenfrieden. Deshalb streben wir nach Gewissheit – und bilden uns schnell eine Meinung, selbst wenn die uns streng genommen noch gar nicht zusteht.

Diesen Mechanismus machten sich die Wissenschaftlerinnen auch in ihrer Studie zunutze. Im ersten Experiment sollten 139 Studenten an eine vergangene Situation denken. Die eine Gruppe sollte so detailliert wie möglich aufschreiben, wann sie sich mal hochnäsig gefühlt oder eigennützig verhalten hatte. Sie wurde also gedanklich auf falschen Stolz gepolt.

Die andere Gruppe sollte sich in Erinnerung rufen, wann sie zuletzt ein Erfolgserlebnis gehabt oder ein Ziel erreicht hatte, das vor allem ihrem Fleiß und harter Arbeit geschuldet war. Sie sollte also echten Stolz empfinden. Die dritte Gruppe blieb emotional neutral, sie sollte einfach einen normalen Tagesablauf schildern.

Im Anschluss mussten alle Teilnehmer angeben, welche positiven und negativen Eigenschaften sie weißen und asiatischen Mitbürger zuschrieben. Zur Wahl standen „freundlich“, „sympathisch“ einerseits sowie „feindlich“ und „aggressiv“ andererseits.

Und siehe da: Der empfundene Stolz wirkte sich auf die Vorurteile aus. Die negativsten Vorurteile gegenüber Asiaten hatte jene Gruppe, die auf falschen Stolz gepolt worden war. Sie bewertete weiße Mitbürger gleichzeitig auch am positivsten.

Im zweiten Versuch sollten Probanden an einem Gedankenexperiment teilnehmen. Darin wurde einer Person Prostitution auf der Toilette eines Restaurants vorgeworfen. Mal war diese Person heterosexuell, mal homosexuell. Die Teilnehmer sollten nun über die Höhe der Kaution entscheiden. Und wieder wirkte sich der Stolz auf das Empfinden aus: Wer zuvor auf falschen Stolz gepolt wurde, nannte eine wesentlich höhere Summe – aber nur dann, wenn der Angeklagte homosexuell war.

„Falscher Stolz reduziert unser Mitgefühl für benachteiligte Gruppen und fördert dadurch entsprechende Vorteile“, resümieren die Wissenschaftlerinnen. Echter Stolz hingegen steigert unser Mitgefühl – und baut Vorurteile ab.

Quelle:
Claire E. Ashton-James and Jessica L. Tracy (2012). Pride and Prejudice: How Feelings About the Self Influence Judgments of Others. Personality and Social Psychology Bulletin, Band 38, Nummer 4, Seite 466–476.

[Foto: mdid unter cc-by]

Kommentare

  1. Hallo an alle,
    „Falscher Stolz reduziert unser Mitgefühl für benachteiligte Gruppen und fördert dadurch entsprechende Vorteile“ – alles falsche bzw schlechte fördert Schlechtes. Es kann gar nicht anders sein. Hier spiel viele „Naturgesetze“ mit. Ich glaub, das ist zum teil zumindest, wissenschaftlich bewiesen 🙂

    DANKE, war interessant die paar verschiedene Experimente zu lesen

    Dennis

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