Hinter jeder erfolgreichen Frau … steht ein eifersüchtiger Mann

Emanzipation und Gleichberechtigung hin oder her: Erfolgreiche Frauen bedrohen laut einer neuen Studie nicht nur das Ego ihres Partners – sondern auch dessen Bild von der Beziehung.

Stellen Sie sich vor, Ihre beste Hälfte wird befördert oder bekommt eine Gehaltserhöhung – freuen Sie sich mit oder ärgern Sie sich insgeheim?

Natürlich würde kaum jemand Frust, Neid oder Missgunst offen zugeben. Man soll ja gönnen können. Doch wahr ist auch: Menschen ticken nicht so.

Der US-Psychologe Abraham Tesser postulierte 1988 die Theorie der Aufrechterhaltung der Selbstbewertung (self-evaluation maintenance model). Klingt mal wieder komplizierter als es ist.

Tesser nahm an: Wenn eine Person, die uns nahesteht, erfolgreich ist, fühlen wir uns bedroht – zumindest wenn sich dieser Erfolg in einem Bereich ereignet, der uns etwas bedeutet. Dann distanzieren wir uns emotional, spielen den Triumph herunter und wünschen uns insgeheim einen Misserfolg.

Der Grund: Wenn wir einen Erfolg miterleben, vergleichen wir uns insgeheim und schätzen uns selbst weniger wert.

Aber gilt das auch in Beziehungen? Ticken Männer hier womöglich anders als Frauen?

Antworten suchten nun die Psychologen Kate Ratliff (Universität von Florida) und Shigehiro Oishi (Universität von Virginia). In fünf Experimenten fragten sie zuerst knapp 900 Paare, wie glücklich und zufrieden sie in ihrer Beziehung waren. Dann konfrontierten die Forscher sie mit unterschiedlichen Situationen.

Mal sollten sie eine Aufgabe lösen und erfuhren danach, dass ihr Partner bei derselben Aufgabe in der Spitzengruppe gelandet war. Mal dachten sie, ihr Herzblatt sei in der Schlussgruppe gelandet. Mal sollten sie sich an eine Situation zurückerinnern, in der ihr Partner Erfolg gehabt oder versagt hatte.

Im Anschluss wollten Ratliff und Oishi wissen, wie sich die Freiwilligen fühlten. Dafür griffen sie auf den impliziten Assoziationstest zurück. Dabei setzen sich die Probanden an einen Monitor und sollen verschiedene Wörter in Kategorien einteilen. Der Computer notiert, wie lange sie dafür brauchen – und aus dieser Dauer können die Wissenschaftler schließen, wie präsent verschiedene Begriffe sind.

Ratliff wollte nun den impliziten Selbstwert testen – also gewissermaßen das unterbewusst empfundene Selbstbild. Eine Person mit hohem Selbstbewusstsein würde das Wort „Ich“ eher in Kategorien wie „exzellent“ und „hervorragend“ einordnen, jemand mit niedrigem Selbstbewusstsin würde „mies“ oder „schlecht“ wählen.

Das Ergebnis war eindeutig.

Egal ob es um akademische oder private Erfolge ging: Die Männer fühlten sich angesichts der Erfolge ihrer Partnerinnen unterbewusst weniger selbstbewusst – unabhängig von ihren eigenen Leistungen. Sie waren sogar unzufriedener mit der Beziehung.

Völlig anders reagierten die Frauen. Ihrem Selbstbewusstsein konnte der Triumph ihres Mannes nichts anhaben. Mehr noch: Sie waren dann sogar glücklicher mit der Beziehung.

Aber warum leidet das männliche Ego unter erfolgreichen Frauen?

Ratliff hat dafür drei Erklärungen. Erstens seien Männer tendenziell stärker auf Konkurrenz aus als Frauen. Deshalb fühlten sie sich bei einem Erfolg ihrer Partnerin stärker bedroht. Zweitens glaubten sie weiterhin, dass Männer sich vor allem über Stärke, Kompetenz und Überlegenheit definieren – und wenn sie weniger leisteten, leide ihr Selbstbild. Und drittens befürchteten Männer, dass sie als Partner weniger attraktiv wirken, wenn sie Schwäche zeigen.

Die Studie legt also nahe: Trotz Emanzipation und Gleichberechtigung sind es weiterhin vor allem die Frauen, die sich gerne im Ruhm ihres Mannes sonnen – doch andersherum gilt das nicht.

„Erfolgreiche Frauen bedrohen nicht nur das Ego ihres Partners“, sagt Ratliff, „sondern auch dessen Bild von der Beziehung.“

Quelle:
Kate Ratliff und Shigehiro Oishi (2013). Gender Differences in Implicit Self-Esteem Following a Romantic Partner’s Success or Failure. Journal of Personality and Social Psychology

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