Feine Sache – Gerüche verbessern unser Verhalten

Manche Gerüche wecken Erinnerungen, andere Ekel. Laut einer neuen Studie lässt sich die Macht der Düfte aber auch anderweitig nutzen: Zuggäste hinterlassen in aromatisierten Zügen weniger Müll.

Die Zugfahrt vom niederländischen Amersfoort ins Städtchen Enkhuizen dauert etwa zwei Stunden. Genug Zeit, während der Fahrt die Landschaft zu genießen – oder in den Waggons Müll zu hinterlassen.

Wie die Deutsche Bahn hierzulande, so hat auch die staatliche Eisenbahngesellschaft der Niederlande Probleme mit der Sauberkeit ihrer Fahrgäste. Regelmäßig hinterlassen die Passagiere leere Dosen, Flaschen oder Zeitungen. Vielleicht kooperierte das Unternehmen auch deshalb mit dem Psychologen Martijn de Lange von der Universität Nimwegen.

Für eine Feldstudie, auf die ich kürzlich im Blog von Christian Jarrett gestoßen bin, stellte die Bahn de Lange einen Zug zur Verfügung. Der fuhr über einen Zeitraum von mehreren Wochen immer auf derselben Strecke, von Amersfoort nach Enkhuizen und wieder zurück.

Vor dem Experiment präparierte de Lange jedoch zwei Zugabteile. Dort versteckte er sieben Behälter mit Reinigungsmittel, das in den Waggons Zitrusduft versprühte. Um den Duft noch zu verstärken, träufelte er noch ein wenig dezentes Parfüm hinzu.

Nun kontrollierten zwei Kollegen an jeder Endhaltestelle der Route die Mülleimer – und zwar in den zwei Aroma-Abteilen sowie in zwei Kontrollabteilen, die nicht nach Zitrone rochen. Die Mitarbeiter packten den Müll in Tüten, zählten danach die Anzahl der Fundstücke und bestimmten ihr Gewicht.

Sie ahnen es vermutlich schon: Der Zitrusduft wirkte sich erheblich auf die Sauberkeit der Fahrgäste aus. In den aromatisierten Abteilen hinterließen sie wesentlich weniger Abfall: Dort steckten in den Eimern im Schnitt knapp drei Stücke Müll, in den Kontrollabteilen waren es hingegen fünf.

Auch das Gewicht unterschied sich erheblich: In den Zitruswaggons wog der Müll knapp zwölf Gramm, in den Kontrollabteilen waren es fast 36 Gramm. Offenbar lassen sich die Passagiere schon durch eine relativ kostengünstige Methode disziplinieren, resümiert de Lange. Aber wieso?

Dahinter steckt das Prinzip des so genannten Primings. Offenbar weckt der Zitrusduft im Unterbewusstsein Assoziationen von Reinheit und Sauberkeit – und die wirken sich auf das tatsächliche Verhalten aus.

Quelle:
Martijn de Lange et al (2012). Making less of a mess: Scent exposure as a tool for behavioral change. Social Influence, Band 7, Nummer 2, Seite 90-97.

Weitere Literatur:
Rob Holland et al (2005). Smells like clean spirit: Nonconscious effects of scent on cognition and behavior. Psychological Science, Band 16, 689–693.

Ap Dijksterhuis und Ad van Knippenberg (1998). The relation between perception and behavior or how to win a game of Trivial Pursuit. Journal of Personality and Social Psychology, Band 74, Seite 865-877.

Neil Macrae und Lucy Johnston (1998). Help, I need somebody: Automatic action and inaction. Social Cognition, Band 16, Seite 400-417.

[Foto: juhansonin unter cc-by]

Kommentare

  1. Daniel Rettig says:

    @Fragender: Hmm, finde ich nicht. Wie kommst du darauf?

  2. Fragender says:

    Kann es sein, dass dieser Blog ziemlich Priming-lastig ist?

  3. Daniel Rettig says:

    @Gentleman: Tja, bloß halten sich sehr viele Passagiere nicht dran…und das mit der Deutschen Bahn ist ein guter Hinweis 🙂

  4. Müll gehört in den Mülleimer. Das gebietet allein schon der Respekt gegenüber den Mitmenschen. Ich hoffe die Deutsche Bahn liest das und leitet entsprechende Maßnahmen ein (solange es bei einem dezenten Duft bleibt und keine Zitrusbombe wird).

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