Vergebliche Suche – Das Streben nach Glück kann unglücklich machen

Für die meisten Menschen ist es wichtig, glücklich zu sein. Doch das erweist sich bisweilen als schwierig. Mehr noch: Einer neuen Studie zufolge kann das Streben nach Glück unglücklich machen.

Einerseits ist das Bedürfnis nach Glück und Zufriedenheit verständlich. Wir glauben daran, dass sich Glück nicht nur gut anfühlt, sondern auch tatsächlich gut für uns ist – und zwar sowohl für den Körper als auch für den Geist. In der Tat: Es gibt immer mehr Belege dafür, dass glückliche Menschen mehr Freunde haben und beruflich erfolgreicher sind, Umfragen zufolge verlängert Glück das Leben.

Doch bisweilen gilt eben auch: Glück bringt Unglück. Bereits im vergangenen Jahr fasste die Psychologin June Gruber von der Yale Universität in einer neuen Studie (.pdf) vier Gründe zusammen, warum Glück manchmal auch schlecht sein kann.

Demnach sei es erstens schwierig, das richtige Maß zwischen einer gesunden Portion Glück und einer unvorsichtigen Dosis Euphorie zu finden. Zweitens seien negative Gefühle wie Angst, Wut und Traurigkeit manchmal einfach besser, etwa weil sie uns vor Gefahren oder Risiken warnten. Drittens sei es heikel, sich zu sehr auf die Glückssuche zu versteifen – da wir umso trauriger seien, wenn wir ein wichtiges Ziel nicht erreichen. Und viertens sorgten vermeintlich negative Gefühle wie Scham und Schuldbewusstsein erst dafür, dass wir uns sozial verhalten und an unseren schlechten Seiten arbeiten.

Jetzt hat Iris Mauss, Assistenzprofessorin an der Universität von Denver, ein weiteres Argument dafür gefunden, warum wir es mit der Glückssuche nicht übertreiben sollten: „Das Streben nach Glück kann Menschen einsam machen“, schreibt sie in einer neuen Studie (.pdf).

Für den ersten Versuch erklärten sich 206 Freiwillige im Alter von 20 bis 60 Jahre dazu bereit, zwei Wochen lang jeden Abend Tagebuch zu führen, bevor sie ins Bett gingen. In einem kurzen Eintrag sollten sie das stressigste Erlebnis des Tages festhalten, wie belastend sie es empfunden und wie einsam sie sich währenddessen gefühlt hatten. Und siehe da: Je wichtiger den Teilnehmern Glück war, desto einsamer fühlten sie sich während des stressigen Ereignisses – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Bildung.

Zugegeben, dieses Ergebnis deutet noch nicht auf einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Streben nach Glück und Einsamkeit hin. Deshalb konzipierte Iris Mauss noch einen zweiten Versuch. 43 Studentinnen wurden in zwei Gruppen geteilt. Gruppe A las einen fiktiven Zeitungsartikel, der ihnen die Vorteile von Glück in den höchsten Tönen anpries – sowohl im Hinblick auf einen erfülltes Privatleben als auch Erfolg im Job. Gruppe B las denselben Text – allerdings ersetzte Mauss das Wort „Glück“ hier durch „Urteilsvermögen“.

Nun sahen alle Teilnehmer ein 35-minütiges Video, das Themen wie Zugehörigkeit und Intimität behandelte. Danach sollten wieder alle angeben, wie einsam sie sich fühlten. Ergebnis: Gruppe A berichtete von wesentlich größerer Einsamkeit als Gruppe B.

Offenbar besteht demnach eine gedankliche Nähe zwischen dem Streben nach Glück und Einsamkeit. Aber wieso? Laut Iris Mauss könnte dies wie folgt ablaufen: Wer Glück vor allem als persönliches Gefühl definiert, legt womöglich mehr Wert auf sich selbst, auf seinen ganz eigenen Erfolg in Beruf und Privatleben. Er schert sich weniger um die Gefühle von anderen – und darunter leiden soziale Verbindungen. Und das könnte letztendlich einsam machen.

„Um die Früchte des Glücks auch wirklich zu ernten, sollten es die Menschen nicht umso mehr wollen“, resümiert Mauss, „sondern weniger.“

Quelle:
Iris B. Mauss, Nicole S. Savino, Craig L. Anderson, Max Weisbuch, Maya Tamir, und Mark L. Laudenslager (in press). The pursuit of happiness can be lonely. In: Emotion.

[Foto: oskay unter cc-by]

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