Gesunder Geist, gesunder Körper – Studie findet Zusammenhang zwischen Sport und Schulnoten

Ist Ihr Kind sportlich? Und gut in der Schule? Das ist kein Zufall – denn laut einer neuen Studie gibt es einen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und schulischen Leistungen.

Es gibt Dinge, die vergisst man einfach nicht – den Sportunterricht in der Schule zum Beispiel. Beim Zusammenstellen der Mannschaften war es immer dasselbe: Zwei Schüler watschelten langsam aufeinander zu, indem sie einen Fuß langsam vor den anderen stellten. Meistens riefen sie dabei abwechselnd „Piss-Pott“, „Piss-Pott“, „Piss-Pott“. Wenn der Gegenüber einem auf den Fuß trat, dürfte man sich zuerst einen Mitspieler aussuchen.

Die anderen Schüler saßen derweil auf der Bank, und einige hatten immer dieselbe ernste, traurige Miene – denn sie wussten genau, dass sie jedes, aber auch wirklich jedes Mal an letzter Stelle gewählt würden. Was für eine Erniedrigung – und eine, die Spuren hinterlässt. So etwas steckt doch kein Kind leicht weg. Damit da keine Gerüchte aufkommen: Ich gehörte immer zum gesunden Mittelfeld – keine Sportskanone, aber auch kein Bankdrücker.

Häufig gehörten jene unsportlichen Kinder in unserer Klasse auch zu den schwächsten Schülern. Ein Zufall? Nicht unbedingt. Das legt zumindest eine neue Studie
nahe, die jetzt im Fachjournal „Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine“ erschienen ist.

Amika Singh von der Freien Universität Amsterdam durchforstete dafür verschiedene wissenschaftliche Datenbanken – auf der Suche nach Studien, die sich in den vergangenen 20 Jahren dem Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Schulnoten gewidmet hatten. Gemeinsam mit ihren Kollegen überprüfte sie deren Titel, bewertete die methodische Qualität und sammelte die verschiedenen Daten. Eine Bedingung: Die Untersuchungen mussten mindestens eine messbare körperliche Aktivität sowie eine messbare akademische Leistung enthalten.

Um es direkt vorweg zu sagen: Besonders ergiebig war Singhs Suche nicht. Sie fand lediglich zehn Beobachtungsstudien (Beispiel: Wie sind die Schulnoten sportlicher und unsportlicher Kinder?) und vier Interventionsstudien (Wie verändern sich die Schulnoten, wenn Kinder Sport treiben?). Nur zwei Untersuchungen attestierte Singh gar eine hohe Qualität. Doch immerhin für ein Fazit reichten die Fundstücke: Es gebe „eine signifikante positive Beziehung“ zwischen körperlicher Aktivität und akademischen Leistungen.

Mit anderen Worten: Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen sportlicher Betätigung und der Leistung in der Schule. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass Sport automatisch zu besseren Noten führt. Wer sich jahre- und stundenlang auf dem Fußballplatz, im Schwimmbad oder der Turnhalle rumtreibt, hat logischerweise weniger Zeit für die Hausaufgaben – was seinen Noten nicht unbedingt förderlich sein dürfte.

Es besteht demnach also noch lange keine kausale Beziehung zwischen Sport und Schulnoten, sondern vielmehr eine Korrelation. Denkbar wäre beispielsweise, dass sportliche Aktivität, flapsig formuliert, das Gehirn auf Trab bringt und dadurch indirekt zu besseren Noten führt.

Inzwischen häufen sich zumindest die Studien, die den positiven Effekt physischer Betätigung auf unsere Psyche belegen. Erst im vergangenen Jahr teilte beispielsweise Kirk Erickson von der Universität Pittsburgh für eine Studie 120 gesunde Senioren im Alter von 55 bis 80 in zwei Gruppen ein. Die eine ging dreimal pro Woche jeweils 40 Minuten walken, die andere beschränkte sich auf regelmäßiges Dehnen und Stretchen. Zusätzlich untersuchten Erickson und seine Kollegen das Gehirn der Freiwilligen – zu Beginn der Studie, nach sechs Monaten und nach einem Jahr.

Ergebnis: Bei der Walkinggruppe war der vordere Bereich des Hippocampus nach einem Jahr um zwei Prozent gewachsen, während er bei der anderen Gruppe um etwa 1,4 Prozent geschrumpft war. Letztere hatte einfach den normalen Alterungsprozess durchlaufen – doch die andere hatte ihn durch das Sportprogramm offenbar nicht nur aufgehalten, sondern sogar umgekehrt. Aber warum?

Eine Erklärung: Im Blut der ersten Gruppe fanden sich erhöhte Mengen des Wachstumsfaktors BDNF. Dieser Signalstoff bildet neues Hirngewebe – und das klappt offenbar auch noch im Alter.

Nachtrag vom 8. Januar:
Amika Singh hat sich bei mir gemeldet und eine wichtige Anmerkung gemacht – und zwar zum Thema Korrelation und Kausalität.

„Im Allgemeinen spricht man von Korrelationen, wenn beide Variablen – in unserem Fall Bewegung und Schulnoten -, zum gleichen Zeitpunkt gemessen werden. Diese Studien haben wir aber bewusst ausgeschlossen. Solche Forschungsprojekte gibt es bereits genügend, und man kann auf deren Basis nicht auf Kausalität schlussfolgern.

Deshalb haben wir nur Beobachtungs- und Interventionsstudien analysiert – denn diese lassen sehr wohl Rückschlüsse auf Kausalität zu. Daher unser Fazit: Mehr Bewegung kann sich positiv auf die Schulnoten auswirken.

Viele Grüße,
Amika Singh

Quelle:
Amika Singh et al (2012). Physical Activity and Performance at School: A Systematic Review of the Literature Including a Methodological Quality Assessment. Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine. Band 166, Nr. 1, Seite 49-55.

[Foto: Nina Matthews unter cc-by]

Kommentare

  1. Daniel Rettig says:

    @Oliver: Absolut. Insofern bestätigt die Studie das vermeintliche Klischee – wobei man sich das natürlich irgendwie auch schon denken konnte…

  2. Körper, Seele und Geist gehören zusammen und haben aufeinander einen Einfluß.

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