10 psychologische Fakten über Fußball

In 30 Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika – höchste Zeit also, sich des Themas Fußball mal aus psychologischer Sicht anzunehmen. Hier 10 Fakten zur Psychologie des Fußballs.

1. Die WM bringt dem Gastgeber Glück
In 29 Tagen Tagen beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Etwa vier Milliarden Euro lässt sich das Land die Veranstaltung kosten – doch was bringt das? Georgios Kavetsos und Stefan Szymanski von der britischen Cass Business School fanden in diesem Jahr in einer Studie heraus: Eine WM im eigenen Land macht die Bevölkerung glücklicher – drei Mal mehr als ein höherer Bildungsgrad und beinahe doppelt so sehr wie eine Hochzeit. Und Apropos Glück: Noch nie schied ein Gastgeber bisher in der Vorrunde aus.

2. Beim Elfmeterschießen liegt in der Ruhe die Kraft
2,44 Meter hoch ist ein Fußballtor, 7,32 Meter breit. Da sollte doch eigentlich genug Platz sein, um den Ball bei einem Elfmeter ins Tor zu jagen. Von wegen. Immer wieder versagen Schützen bei der vermeintlich leichten Aufgabe. Der norwegische Sportpsychologe Geir Jordet analysierte für seine Studie (.pdf) die Elfmeterduelle der Europa- und Weltmeisterschaften aus den letzten 30 Jahren, sowie Elfmeter aus der Champions League. Ergebnis: Je weniger Zeit die Schützen am Elfmeterpunkt verbrachten, desto eher verschossen sie den Ball. Wer nach dem Pfiff des Schiedsrichters weniger als 200 Millisekunden wartete, bevor er aufs Tor schoss, traf in 57 Prozent der Fälle. Wer sich mindestens eine Sekunde Zeit ließ, traf immerhin zu 80 Prozent.

3. Der Torwart sollte beim Elfmeterschießen nicht in der Mitte stehen
So ziemlich jeder Torhüter stellt sich bei einem Elfmeter genau in die Mitte des Tores. Falsch, resümierte Rich Master von der Universität Hongkong im Jahr 2007: Die Chance des Torwarts, den Elfmeter zu halten, ist höher, wenn er leicht links oder rechts der Tormitte steht. Für seine Studie (.pdf) wertete er 200 Videoaufzeichnungen von Strafstößen aus. Ergebnis: Meist stand der Torwart etwa zehn Zentimeter näher an einem der Pfosten – und in sechs von zehn Fällen schoss der Elfmeterschütze den Ball auf die andere Seiten. Masters Tipp für Torhüter: Beim Elfmeter sollten sie leicht seitlich von der Mitte stehen und nach dem Schuss sofort in die andere Richtung springen.

4. Große Spieler werden benachteiligt
Niels van Quaquebeke und Steffen Giessner von der Rotterdam School of Management fanden in diesem Jahr in ihrer Studie (.pdf) heraus: Bei einem Foul bekommt meist der kleinere Spieler den Freistoß – und der größere Spieler vom Schiedsrichter Ärger. Die Wissenschaftler analysierten etwa 125.000 Schiedsrichterentscheidungen aus Bundesliga, Champions League und von Weltmeisterschaften. Bei einem Größenunterschied von über zehn Zentimetern beträgt die Verzerrung ganze 17 Prozent. Demnach sind Philipp Lahm, Marko Marin oder Piotr Trochowski mit einer Körpergröße von etwa 1,70 Meter im Vorteil.

5. Elfmeterschießen erhöhen die Herzinfarkte
Ein Elfmeterschießen ist nichts für schwache Nerven. Mehr noch: Es führt sogar zu mehr Herzinfarkten. Das zumindest resümierte George Davey Smith von der Universität Bristol im Jahr 2002. Er fand heraus, dass nach dem Entscheidungsspiel Großbritannien gegen Argentinien bei der Weltmeisterschaft 1998 25 Prozent mehr Patienten mit einem Herzanfall ins Krankenhaus eingeliefert als an gewöhnlichen Tagen.

6. Eine WM senkt die Arbeitsmoral
Die echten Fußballfans haben sich bereits Urlaub genommen, um wichtige Spiele nicht zu verpassen. Fernando Lozano analysierte (.pdf) im vergangenen Jahr, wie sich eine WM auf die Arbeitsmoral der gastgebenden Bevölkerung auswirkt. Demnach sinkt die wöchentliche Arbeitszeit um bis zu eine halbe Stunde.

7. Heimmannschaften sind im Vorteil
Den Heimvorteil gibt es tatsächlich. Nicht nur, weil die Heimmannschaft die Unterstützung der Zuschauer hat – sondern auch die des Schiedsrichters. Alan Nevill von der Universität von Wolverhampton zeigte in einer Studie im Jahr 2005 Schiedsrichtern einige strittige Szenen aus einem Fußballspiel. Sie sollten entscheiden: Foul oder nicht? Die einen hörten im Hintergrund die Zuschauergeräusche, die anderen nicht. Ergebnis: Wer das Publikum hören konnte, entschied sich öfter zugunsten der Heimmannschaft – und zwar in jedem dritten Fall.

8. Die Trikotfarben machen einen Unterschied
Selbst der beste Schiedsrichter hat seine Favoriten – ohne es zu wollen. Die US-Psychologen Mark Frank und Thomas Gilovich fanden bereits in einer Studie (.pdf) im Jahr 1988 heraus, dass die Farben der Trikots einen Unterschied machen. Sie konnten beweisen, dass Schiedsrichter gegen Teams in schwarzen Jerseys besonders oft auf Foul entscheiden. Dahinter steckt ein unbewusstes Denkmuster: Die Farbe Schwarz steht für Aggressivität.

9. Fouls bleiben am Anfang des Spiels ungeahndet
Wer „gesunde Härte“ in die Partie bringen will, sollte das in den ersten 15 Minuten tun – dann nämlich hat er gute Chancen, ungestraft davon zu kommen. Wissenschaftler um Christian Unkelbach fanden in einer Studie (.pdf) heraus: In der ersten Viertelstunde drücken die Schiedsrichter gerne beide Augen fest zu. Offenbar benötigen sie ein paar Minuten, um sich an das Spiel zu gewöhnen und ein Strafmaß festzulegen.

10. Eine „La Ola“ braucht mindestens 25 Teilnehmer
Wenn die Stimmung besonders ausgelassen ist und die Heimmannschaft überlegen führt, kommt es in ausverkauften Stadien zur „La Ola“. Der Biophysiker Tamas Vicsek von der Universität Budapest hat sich im Jahr 2002 mal die Mühe gemacht (.pdf), die Zuschauerwelle mathematisch zu betrachten. Demnach braucht jede anständige La Ola eine kritische Masse von mindestens 25 Menschen. Dann breitet sich die Welle mit einem Tempo von etwa 20 Sitzen pro Sekunde aus.

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