10 psychologische Fakten über Scheidungen

Nachdem ich mich in der vergangenen Woche mit Fakten über die Ehe beschäftigt habe, gibt es heute sozusagen das Pendant – zehn psychologische Fakten über Scheidungen.

1. Eine Scheidung verkürzt das Leben: Zu diesem zugegebenermaßen kuriosen Ergebnis kamen Wissenschaftlerinnen vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels im Jahr 2008. Für ihre Berechnungen (.pdf) analysierte die Forscherin Elena Muth Daten des Sozioökonomischen Panels. Resultat: Eine Scheidung verkürzt das Leben eines deutschen Mannes um 9,3 Jahre. Geschiedene Frauen leben sogar 9,8 Jahre kürzer.

2. Hormone sagen eine Scheidung voraus: Wollen Sie wissen, ob Ihre Ehe vor dem Scheidungsrichter enden wird? Dann sollten Sie sich am Besten noch vor der Trauung Blut abnehmen. Das zumindest legt eine Studie (.pdf) aus dem Jahr 2003 nahe. Janice Kiecolt-Glaser von der Ohio State Universität begleitete 90 Paare in ihren ersten zehn Ehejahren. Zu Beginn der Untersuchung nahm die Psychologin allen mehrmals Blut ab, um die Konzentration von Stresshormonen zu messen. Zehn Jahre später war etwa jedes fünfte Paar geschieden – und siehe da: Genau jene Paare hatten erhöhte Werte der Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol im Blut.

3. Eltern von Töchtern lassen sich häufiger scheiden: Paare, die sich unbedingt ein Mädchen wünschen, sollten diesen Wunsch vielleicht nochmal überdenken. Die Ökonomen Gordon Dahl und Enrico Moretti machten in ihrer Studie im Jahr 2003 eine erstaunliche Entdeckung: Die Eltern eines Mädchens lassen sich mit fünf Prozent höherer Wahrscheinlichkeit scheiden als die Eltern eines Jungen. Mit drei Töchtern steigt diese Wahrscheinlichkeit schon auf zehn Prozent. Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die Ehefrau womöglich eher zur Trennung entschließt, wenn sie eine Tochter hat.

4. Scheidungen sind ansteckend: Wer in seinem Freundeskreis viele Scheidungen mitbekommt, sollte auf der Hut sein. Die US-Wissenschaftler Nicholas Christakis und James Fowler werteten für ihre Studie (.pdf) im Jahr 2009 eine amerikanische Langzeitstudie aus. Ihr Fazit: „Eine Scheidung berührt nicht nur die direkt Beteiligten.“ Sondern auch die indirekten: Lässt sich einer unserer Freunde oder Bekannten scheiden, steigt unsere eigene Scheidungswahrscheinlichkeit um 75 Prozent. Lässt sich der Freund eines Freundes scheiden, sind wir immerhin noch mit 33 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit betroffen.

5. In Großstädten ist die Scheidungsrate höher: Viele Paare ziehen nach der Vermählung gerne raus aus der Stadt und suchen sich ein nettes Fleckchen im grünen Vorort. Gut so, wie Pieter Gautier von der Universität Amsterdam bestätigen kann. Der Wissenschaftler analysierte für seine Untersuchung (.pdf) die Daten einer dänischen Langzeitstudie. Fazit: Paare, die nach der Hochzeit in der Stadt wohnen bleiben, lassen sich mit 23 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit scheiden. Das Phänomen gilt auch umgekehrt: Wer auf dem Land geheiratet hat und danach in die Stadt zieht, setzt seine Ehe ebenfalls eher aufs Spiel.

6. Weibliche Alleinverdiener erhöhen das Scheidungsrisiko: Das behaupten jedenfalls Kornelius Kraft und Stefanie Neimann vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit. Für ihre Studie (.pdf) werteten sie Daten des Sozioökonomischen Panels der Jahre 1984 bis 2007 aus. Darin enthalten waren 1128 Paare. Insgesamt ließen sich davon 2,33 Prozent scheiden. Allerdings war die Zahl der Scheidungen in jenen Haushalten signifikant höher, in denen eine Frau der Alleinverdiener war – unabhängig davon, ob der Ehemann sich währenddessen fleißig um den Haushalt kümmerte oder nicht.

7. Frauen finden ihre Ex-Männer unattraktiv: Wie denken und reden ehemalige Partner nach der Scheidung übereinander? Das wollte ein deutsch-italienisches Forscherteam um Linda Charvoz von der Uni Freiburg im vergangenen Jahr wissen. Für eine Untersuchung (.pdf) kontaktierten sie 214 Männer und 366 Frauen, die alle eine Scheidung hinter sich hatten. Dabei bemerkten sie: Frauen, die die Scheidung eingereicht hatten, fanden ihren Mann im Nachhinein weniger begehrenswert als sich selbst – und zwar sowohl körperlich als auch intellektuell. Männer hingegen reagierten ganz anders: Egal, ob die Trennung von ihnen ausgegangen war oder nicht – sie sagten, dass ihre Exfrau körperlich attraktiver sei als sie selbst. Aber intellektuell empfanden die Männer sich selbst als höherwertig.

8. Eine Scheidung prägt die Kinder ein Leben lang: Die amerikanische Psychologin Judith Wallerstein veröffentlichte bereits Ende der Achtzigerjahre eine der umfangreichsten Langzeitstudie über Scheidungen und deren Folgen für die Kinder. Dafür begleitete sie 60 Ehepaare mit insgesamt 131 Kindern, die sich 1971 hatten scheiden lassen. Wallerstein stellte fest, dass Mädchen und Jungen durchaus unterschiedlich auf die  Scheidung der Eltern reagieren: Den Jungen fiel es schwerer, ihre Aggressionen im Griff zu haben, sie hatten oft schlechte Noten und Probleme, einen Freundeskreis aufzubauen. Mit Anfang 20 hatte mehr als ein Drittel der Scheidungskinder noch kein klares Ziele für ihr Leben, viele schlugen sich mit Aushilfsjobs durch. Die Ergebnisse hat Wallerstein in einem Buch zusammengetragen.

9. Scheidungskinder rauchen häufiger: Dieses Fazit zog Thomas Siedler in seiner Studie (.pdf) in diesem Jahr. Wuchsen die Jugendlichen bei beiden Eltern auf, rauchten 25 Prozent von ihnen. Waren ihre Eltern getrennt, stieg der Anteil der Raucher auf 40 Prozent.

10. Scheidungskinder bekommen häufiger Herzinfarkte: Die Scheidung der Eltern wirkt sich offenbar auch auf die Gesundheit der Kinder aus. Zu diesem Fazit kam erst vor Kurzem die kanadische Wissenschaftlerin Esme Fuller Thompson von der Uni Toronto. Für ihre Untersuchung wertete sie eine Studie mit insgesamt 13.000 Kanadiern aus. Ergebnis: Waren die Eltern geschieden, bekamen die Kinder irgendwann in ihrem Leben wesentlich häufiger einen Herzinfarkt.

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  1. […] aufwächst, weiß, wie wertvoll langfristige Beziehungen sind und geht nicht leichtfertig damit um. Laut Statistik sind z. B. Scheidungsraten sind auf dem Land niedriger als in der Großstadt – ein anderer Grund für die niedrigeren Zahlen könnte aber auch der höhere soziale Druck […]

  2. […] Gesetzgebung zu machen Scheidung erschwert Scheidungsraten in Deutschland geblieben hoch in den 10 psychologische Fakten über Scheidungen alltagsforschungdeEine Scheidung prägt die Kinder ein Leben lang: Die amerikanische Psychologin Judith […]

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