Wirkung verfehlt – Altruismus kann schaden

Wer anderen etwas Gutes tut und davon selbst profitiert, der schadet seinem Ruf – sogar mehr, als wenn er überhaupt nichts Gutes getan hätte.

SpendeDie einen spenden Geld an wohltätige Zwecke, andere geben Kindern kostenlos Nachhilfe oder pflegen Alte und Kranke. Es gibt viele Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren – und ebenso viele Motive.

Manche wollen schlicht Gutes tun oder der Gesellschaft etwas zurückgeben. Doch andere möchten dadurch gleichzeitig auch Mitmenschen beeindrucken oder beruflich vorankommen. Verdenken kann man das niemandem – dennoch schmälert es den Eindruck der Uneigennützigkeit.

Mehr noch: Wer anderen etwas Gutes tut und davon selbst profitiert, der schadet seinem Ruf – sogar mehr, als wenn er überhaupt nichts Gutes getan hätte.

Zu diesem Ergebnis kommen jetzt die beiden Psychologen George Newman und Daylian Cain von der Yale Universität.

Für ihre Studie erzählten sie zunächst 162 Freiwilligen von einem Mann, der sich in eine Frau verliebt hatte. Um ihre Zuneigung zu gewinnen, half er freiwillig an ihrem Arbeitsplatz aus. Gruppe A erfuhr, dass die Frau in einem Obdachlosenheim arbeitete. Gruppe B ging davon aus, dass sie ihr Geld in einer Kaffeebar verdiente.

Nun sollten beide Gruppen das Verhalten des Mannes bewerten. Fanden sie sein Verhalten ethisch korrekt oder verwerflich?

Kurios: Die Freiwilligen hielten seine Herangehensweise für unmoralischer, wenn er freiwillig im Obdachlosenheim mithalf. Arbeitete die Frau im Kaffeelädchen, bekam der Mann mehr Sympathiepunkte. Schon seltsam: Immerhin verband der Mann das Angenehme mit dem Nützlichen – aber sein Ruf litt darunter.

Dasselbe Resultat erhielten Newman und Cain in weiteren Versuchen. Immer wenn die Personen aus der wohltätigen Arbeit eigene Vorteile zogen, kamen sie durchweg schlechter weg als wenn sie erst gar nicht karitativ dachten.

Bei einem Experiment konfrontierten sie 206 Teilnehmer mit einer Hilfsaktion des Modekonzerns Gap. Der verpflichtete sich im Jahr 2006 dazu, 50 Prozent seiner Einnahmen aus bestimmten Produkten zu spenden – und zwar für den Kampf gegen HIV und Malaria. Doch bei einem Teil der Probanden erwähnten die Wissenschaftler nur die Höhe der Spende, bei anderen betonten sie die Höhe der Gesamteinnahmen.

Und siehe da: Hier verpuffte der Effekt. Wurden die Befragten an den Gewinn erinnert, war ihnen der Konzern wesentlich unsympathischer. Sie wollten dann sogar seltener bei ihm einkaufen – obwohl das Unternehmen für wohltätige Zwecke gespendet hatte.

Waren die Probanden überkritisch? Ließen sie sich vom Haar die Suppe verderben? Mitnichten.

Newman und Cain zufolge liegt das „befleckten Altruismus-Effekt“ (tainted-altruism effect). Gemeinnützigkeit und Eigennutz widersprechen sich. Wer also versucht, das eine mit dem anderen zu kombinieren, handelt nicht konsistent. Und das macht ihn verdächtig.

Dann glauben die Mitmenschen, dass die Person sich noch selbstloser hätte verhalten können. Und dieses schale Gefühl hinterlässt einen negativen Eindruck, die Wirkung der Wohltat verpufft.

Plus und Plus ergibt offenbar manchmal Minus.

Quelle:
George Newman und Daylian Cain. Tainted Altruism: When Doing Some Good Is Evaluated as Worse Than Doing No Good at All, Psychological Science

[Foto: hikrcn / Shutterstock.com]

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