Unter Druck – Stress senkt den IQ

Kaum etwas ist so umstritten wie der Intelligenzquotient (IQ). Eine neue Studie wird dazu beitragen, am IQ-Mythos noch weiter zu rütteln – denn laut US-Forschern sinkt der IQ bei Druck und Stress ganz erheblich.

Feedback ist wichtig. Es steigert die Motivation, und wer über ein gewisses Können verfügt, der will vor allem wissen, was er falsch macht. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir uns ständig selbst hinterfragen – und dürfen den Vergleich mit anderen nicht scheuen.

Intelligenztests sind umstritten. Gemessen wird überwiegend verbales und mathematisches Verständnis, am Ende wird aus den Punkten ein Intelligenzquotient (IQ) gebildet. Der soll den Unterschied ausdrücken zwischen Talent (150 Punkte) und Trantüte (70 Punkte).

Diese Einteilung ist schon heikel genug – vor allem, weil viele immer noch glauben, mithilfe des IQ die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Menschen vorhersagen zu können. Nach dem Motto: Wer weit weniger als 100 Punkte erreicht, kann sich die Karriere schon mal abschminken. Solche Vereinfachungen sind so eindimensional wie falsch. Auch deshalb, weil der Wert des IQs mitunter extrem schwankt – und zwar dann, wenn wir während des IQ-Tests unmittelbares Feedback erhalten und uns mit anderen vergleichen müssen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe um den renommierten US- Neurowissenschaftler Read Montague von der Universität Virginia Tech in einer neuen Studie (.pdf). 70 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 25 nahmen dafür an standardisierten IQ-Tests teil – und zwar jeweils in Fünfergruppen. Zunächst wurden sie einander vorgestellt, dann setzten sie sich gemeinsam in einen Raum und beantworteten die Fragen mit Stift und Papier.

Nach einer kurzen Pause nahmen alle Teilnehmer Platz an einem Computer. Wieder beantworteten sie die Fragen eines IQ-Tests. Mit zwei entscheidenden Unterschieden: Zum einen gaben sie ihre Antworten zeitgleich ab – und zum anderen erhielten sie unmittelbare Rückmeldung darüber, wie sie sich im Vergleich zu den vier anderen Gruppenmitgliedern geschlagen hatten. Denn nach jeder Frage sahen sie auf dem Monitor ihren Rang unter den fünf Gruppenmitgliedern, außerdem wurde ihnen die Platzierung eines anderen Mitglieds zusätzlich angezeigt. Mal landeten sie weit vorne, mal weiter hinten.

Danach verglichen Montague und Co. die Ergebnisse jener Probanden, die im ersten Durchgang einen ähnlich hohen IQ gehabt hatten. Und siehe da: Das direkte Feedback beim zweiten Test schadete der Leistung. Im Schnitt schrumpfte ihr IQ von etwa 126 um knapp 17 Punkte!

„In Kleingruppen sinkt die geistige Leistungsfähigkeit“, sagt Montague, „erst recht, wenn man glaubt, schlechter zu sein als die anderen.“ Offenbar erhöhen kleine, intime Gruppen den sozialen Druck. Man ist nicht anonym, jeder bemerkt die Leistung des anderen, es entsteht eine unbewusste Hackordnung. Mit der Konsequenz, dass Stress und Einschüchterung buchstäblich aufs Gemüt schlagen. Doch die Studie liefert auch eine versöhnliche Erkenntnis. Sie beweist, dass der Intelligenzquotient ein äußerst wackeliges Konstrukt ist. Offenbar ist seine Höhe immer auch von der jeweiligen Situation ab, in der wir den Test absolviert haben.

Umso vorsichtiger sollten wir mit dem Begriff Intelligenz umgehen. Offenbar ist sie weniger eine stabile, gleichbleibende und vererbbare Eigenschaft, sondern immer auch eine Momentaufnahme. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Quelle:
Kenneth T. Kishida, Dongni Yang, Karen Hunter Quartz, Steven R. Quartz und P. Read Montague (2012). Implicit signals in small group settings and their impact on the expression of cognitive capacity and associated brain responses. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B, Band 367, Seite 704-716.

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