Ständig unterwegs – 10 Fakten über Pendeln

Leben und arbeiten Sie in zwei verschiedenen Städten? Quälen Sie sich heute auch wieder mit Auto, Bus oder Bahn ins Büro? Dann interessieren Sie sich vielleicht für diese zehn psychologischen Fakten über Pendeln.

Pendeln macht krank: Zu diesem Ergebnis kam erst kürzlich eine große Studie des US-Forschungsinstituts Gallup, für die über 170.000 Amerikaner befragt wurden. Offenbar gilt: Je länger der Weg zur Arbeit, desto schlimmer sind die Folgen. Von den Pendlern, die täglich über 90 Minuten unterwegs sind, litt jeder Dritte unter Nacken- oder Rückenproblemen. Außerdem hatten sie wesentlich häufiger hohe Cholesterinwerte oder Übergewicht.

Pendeln ist Stress pur: Für seine Untersuchung im Jahr 2002 nahm Gary Evans von der New York Universität die Speichelproben von 56 Arbeitnehmern, die regelmäßig zu ihrem Arbeitsplatz pendelten. Ergebnis: Der tägliche Trip ins Büro erhöhte die Werte des Stresshormons Cortisol ganz erheblich. Dafür verantwortlich waren offenbar vor allem die unregelmäßigen Zugverbindungen: Je häufiger die Züge Verspätung hatten, desto mehr Stress hatten die Pendler.

Pendeln macht vergesslich: Der britische Stressforscher David Lewis maß für eine Studie im Jahr 2004 fünf Jahre den Blutdruck und die Herzfrequenz von 125 Pendlern. In belastenden Situationen stieg deren Stresspegel nicht nur stärker als der von Kampfpiloten. Sie vergaßen häufig sogar Teile ihres Weges zur Arbeit – die so genannte “Pendler-Amnesie”.

Pendeln lohnt nicht: Und zwar sprichwörtlich. Der renommierte Schweizer Ökonom Bruno Frey wertete für eine Studie (.pdf) im Jahr 2004 Daten des Sozioökonomischen Panels aus. Dort machen die Deutschen regelmäßig Angaben zu ihren Lebensumständen. Frey konzentrierte sich auf die Zufriedenheit der Pendler. In seinen Berechnungen kam Frey zu dem Ergebnis: Wer für den Weg zur Arbeit eine Stunde benötigt, müsste theoretisch 40 Prozent mehr verdienen, um genau so glücklich zu sein wie jemand, der seinen Job direkt um die Ecke hat.

Pendeln macht unglücklich…: Dieses Fazit zog der Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahneman von der Princeton Universität im Jahr 2003. Für seine Studie rekonstruierte er die alltäglichen Emotionen von 909 Personen. Ergebnis: Pendeln war die Aktivität, die die Teilnehmer am unglücklichsten machte.

…insbesondere Frauen sollten nicht pendeln: Das resümierte zumindest Jennifer Roberts von der Universität von Sheffield. Grundlage ihrer Untersuchung im Jahr 2009 (.pdf) war eine Umfrage mit insgesamt 7761 Frauen zwischen 18 und 65. Roberts’ Fazit: Frauen, die zur Arbeit pendelten, waren wesentlich unglücklicher als männliche Pendler. Laut Roberts hat das nichts mit der Tätigkeit oder den Arbeitszeiten zu tun. Vielmehr hätten Frauen mehr Probleme, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wenn sie obendrein auch noch zum Job pendeln müssen.

Pendeln hält Frauen vom Arbeitsleben fern: Wissenschaftler um Dan Black von der Universität Chicago untersuchten in ihrer Studie in 2007 (.pdf) den Zusammenhang zwischen den Pendlerzeiten und der Erwerbsbeteiligung von Frauen – und zwar in 50 verschiedenen amerikanischen Städten, von 1940 bis zum Jahr 2000. Das Resultat: Je länger die Einwohner einer Stadt im Durchschnitt pendelten, desto weniger Frauen waren berufstätig.

Pendler schalten den Verstand aus: Der Verkehrswissenschaftler Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen schickte für seine Studie im Jahr 2006 Versuchspersonen ins Labor. Sie sollten am Fahrsimulator eine Teststrecke fahren, während ein Kernspintomograph ihre Hirnaktivität aufzeichnete. Siehe da: Auf Routinestrecken schalteten die Probanden ihr Großhirn aus. Schreckenberg meint: Auf häufig gefahrenen Wegen reicht weitgehend unser Stammhirn aus, um sicher in der Spur zu bleiben. Der Nachteil: Bei plötzlichen Ereignissen wie etwa einem Stauende passieren schneller Fehler, wenn wir erst aus dem geistigen Standby aufwachen müssen.

Ruhe zahlt sich aus: Jeder Fahrlehrer warnt davor, dass sich Rasen nicht auszahlt. Das ist seit dem Jahr 2005 auch wissenschaftlich untermauert. In seiner Studie ließ der Wirtschafts-Nobelpreisträger Reinhard Selten 400 Freiwillige an einem Computersimulator alltägliche Verkehrssituationen nachstellen. Zwar wechselten die meisten in der Hoffnung auf kürzere Fahrzeiten häufig die Strecke. Am schnellsten ins Ziel kamen allerdings jene, die die Ruhe behielten und konstant dieselbe Route wählten.

Pendeln lässt sich durchaus sinnvoll gestalten: Nach soviel negativen Beispielen zum Abschluss noch etwas Positives. Verkehrswissenschaftler um Glenn Lyons von der Uni Bristol kamen in ihrer Studie im Jahr 2004 nämlich zu dem Ergebnis: Pendler nutzen den Berufsverkehr durchaus sinnvoll. Etwa 26.000 Zugreisende machten in einer Umfrage Angaben dazu, wie sie die Zeit im Zug verbrachten. Knapp jeder Dritte nutzte die Reise dazu, zu arbeiten oder zu lernen. Immerhin 40 Prozent hatten das Gefühl, die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Mein aktuelles Buch

Sie kennen das sicher: Alte Freunde reden gerne über die Vergangenheit. Natürlich war früher nicht alles besser - aber vieles leichter. Und deshalb ist es sinnvoll und verständlich, beim Blick in den Rückspiegel des Lebens die viel zitierte rosarote Brille aufzusetzen. Gemeinsame Erinnerungen sind der Klebstoff, der die fragile Gemeinschaft zusammenhält. Und nicht zuletzt macht es ja auch Spaß, an schöne Erlebnisse zu denken. Genau um dieses Gefühl geht es in meinem Buch: “Die guten alten Zeiten – Warum Nostalgie uns glücklich macht”.

Kommentare

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  2. [...] Er implementiert Gesundheitskonzepte nach DIN SPEC Norm. Beim Gesundheitsmagazin für den Mittelstand „Business Health Impulse“ hat er die Projektleitung für das Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ inne. Danny Verdam bezieht sich auf folgende Quellen: Gesundheitsreport 2009 / 2012 — Techniker Krankenkasse, Alltagsforschung.de [...]

  3. [...] Quellen: AOK, Arbeitsratgeber, Alltagsforschung [...]

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