Schief gewickelt – Die Körperhaltung beeinflusst unser Denken

Wie hoch ist der Eiffelturm? Wie schwer ist ein Elefant? Wie viele Sprachen gibt es auf der Welt? Ob Sie eher eine zu hohe Zahl nennen oder eine zu niedrige, ist auch von ihrer Körperhaltung abhängig.

So lautet zumindest das Fazit einer kuriosen Studie von Psychologen um Anita Eerland von der Erasmus Universität in Rotterdam. In zwei Versuchen stellten sich insgesamt 91 Studenten auf das so genannte Balance Board der Spielkonsole Wii. Allen wurde auf einem Monitor vorgegaukelt, dass sie aufrecht auf dem elektronischen Brett standen – allerdings stimmte das nicht. Eerland und Co. hatten das Balance Board vorher heimlich verstellt: Die eine Gruppe hatte eine leichte Neigung nach links, die andere nach rechts. Nur die dritte Gruppe stand tatsächlich gerade.

Nun bekamen alle Teilnehmer 39 Schätzfragen gestellt, darunter die nach der Höhe des Eiffelturms oder dem Gewicht eines Elefanten. Und siehe da: Die Körperhaltung wirkte sich auf die Antworten aus. Hatten die Probanden einen leichten Linksdrall, gerieten ihre Tipps meist am kleinsten – fast immer unterschätzten sie die Dimension der gesuchten Antwort. Standen sie hingegen gerade oder hatten einen Rechtsdrall, nannten sie tendenziell größere Zahlen.

Schuld daran ist laut Eerland das Konzept des mentalen Zahlenstrahls. Der geht auf Erkenntnisse des bereits verstorbenen Psychologen Frank Restle zurück. Er entdeckte, was seitdem zahlreiche Wissenschaftler bestätigen konnten: Kleinere Zahlen sortieren wir geistig gewissermaßen automatisch nach links, größere Zahlen nach rechts. Stehen wir nun leicht nach links gelehnt, kommen uns kleine Zahlen dementsprechend leichter in den Sinn. Bei körperlichem Rechtsdrall hingegen denken wir eher an größere Zahlen. Und das wirkt sich auch auf Einschätzungen von Größen, Höhen und Gewichten aus.

Apropos: Der Eiffelturm ist knapp 325 Meter hoch, ein Elefant wiegt zwischen zwei und fünf Tonnen und auf der Welt gibt es etwa 7000 Sprachen.

Quelle:
Anita Eerland, Tulio M. Guadalupe, Rolf A. Zwaan. Leaning to the Left Makes the Eiffel Tower Seem Smaller: Posture-Modulated Thought. Psychological Science (in press).

[Foto: pppspics unter cc-by]

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