Sauberes Gewissen – Die Macht des Händewaschens

Schon im Mai bewies eine Studie, dass Händewaschen das Gewissen erleichtert. Kanadische Wissenschaftler fanden jetzt heraus: Saubere Hände beeinflussen auch unsere Moralvorstellungen.

Chen-Bo Zhong von der Rotman School of Management in Toronto lud für seine Studie 58 Studenten in ein Labor, das mit brandneuen Möbeln ausgestattet war. Die Hälfte der Gruppe bat er darum, sich mit einer Lösung die Hände zu desinfizieren, um die Einrichtung nicht zu beschmutzen. Dann sollten sie ihre Meinung zu Themen wie Pornographie oder Umweltverschmutzung abgeben. Und siehe da: Diejenigen, die zuvor ihre Hände gereinigt hatten, urteilten wesentlich strenger. Mit anderen Worten: Sie hatten strengere Moralvorstellungen.

In einer weiteren Studie rekrutierte Zhong 136 Teilnehmer. Diesmal sollten sie ihre Ansichten zu 16 Themen abgeben. Zuvor ließ Zhong sie jedoch zwei unterschiedliche Texte lesen. Gruppe A las eine Passage, die wie folgt begann: „Meine Haare fühlen sich sauber an, mein Atem riecht frisch.“ Gruppe B las: „Meine Haare sind fettig und dreckig, mein Atem stinkt.“ Wieder war das Resultat ähnlich: Die Teilnehmer der Gruppe A bewerteten die Themen wesentlich strenger und konservativer.

Man lerne: Sauberkeitsgefühl hat wesentlichen Einfluss auf unsere Ansichten und Einstellungen.

Damit geht Zhongs Studie in dieselbe Richtung wie eine Untersuchung von Spike Lee und Norbert Schwarz von der Uni Michigan. Sie ließen in diesem Jahr 40 Freiwillige aus 30 CD-Covern zehn Favoriten auswählen und dann eine Rangliste erstellen. Im Anschluss durften die Teilnehmer entscheiden, ob sie lieber Favorit Nummer Fünf oder Sechs behalten wollten. Dann wurden die Versuchspersonen gebeten, eine Flüssigseife zu beurteilen – die eine Hälfte der Teilnehmer sollte sich damit auch die Hände waschen, die andere Hälfte nur die Verpackung betrachten. Nun sollten alle die Rangliste ihrer zehn Lieblings-CDs erneut aufstellen.

Ergebnis: Wer nur die Seifenpackung betrachtet hatte, änderte die Reihenfolge zumeist. Wer sich die Hände gewaschen hatte, beließ es hingegen beim bereits bestehenden Ranking. Die Wissenschaftler führten das darauf zurück, dass der Vorgang des Händewaschens dafür sorgt, Zweifel an der getroffenen Entscheidung zu beseitigen. Die Qual der Wahl wurde also buchstäblich weggespült.

[via BPS Research Digest]

Kommentare

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