Reaktanz – Verbote erhöhen die Lust auf Schokolade

Futtert Ihr Kind liebend gerne Schokolade? Würden Sie das gerne unterbinden oder zumindest einschränken? Dann vermeiden Sie den Fehler, ihm die Süßigkeiten zu verbieten – denn das führt laut einer neuen Studie nur zu größerer Naschsucht.

Für ihre Dissertation an der Universität von Surrey beobachtete die Psychologin Saima Ehsan das Verhalten von 37 Kindern im Alter von vier bis elf Jahren. Vorher teilte sie die Kleinen in zwei Gruppen. Die eine bekam von ihren Eltern nach dem Essen eine vorab festgelegte Anzahl an Schokoladeneiern zum Nachtisch. Den Rest der Süßigkeiten versteckten die Eltern so, dass der Nachwuchs nicht dran kommen konnte. Die andere Gruppe lebte sozusagen im Schlaraffenland: Die Kinder konnten so viele Eier verputzen, wie sie wollten – denn die Schokolade war jederzeit erreichbar.

Nach einigen Wochen sollten die Eltern in einem Fragebogen angeben, wie viele Süßigkeiten ihre Kinder verputzt hatten. Sie ahnen es: Wer den Konsum der Schokoeier selbst bestimmen konnte, hatte insgesamt weniger gefuttert. [Genauere Zahlen kann ich derzeit nicht liefern, da Saima Ehsan die Studie erst in einigen Wochen auf einer Konferenz der Britischen Psychologischen Gesellschaft vorstellen wird. Hier (.pdf) können Sie das Tagungsprogramm sehen, Ehsan steht auf Seite 20.]

Was ich Ihnen aber sagen kann: Das psychologische Prinzip hinter der Erkenntnis nennt sich „Reaktanz“. Auf den ersten Blick wirkt das Ergebnis von Ehsans Studie zugegebenermaßen grotesk. Normalerweise würde man davon ausgehen, dass Kinder ebenjene Freiheit zum Schokokonsum schamlos ausnutzen und sich den Magen vollhauen, als gäbe es kein Morgen mehr. Denkste – so tickt der Mensch nicht, und Kinder offenbar auch nicht.

„Rara sunt cara“, hieß es schon bei den Römern. Auf Deutsch: Seltenes ist teuer. Werden wir einer Option beraubt, setzt eine Art Trotzreaktion ein. Wer uns Schokolade verbietet, löst nur eins aus: Wir wollen die Schokolade jetzt umso mehr. Das Prinzip lässt sich in vielen Lebenslagen beobachten: Vergebene Partner wirken oft attraktiver, knappe Produkte begehrenswerter. Und das ist die Wirkung der Reaktanz.

Oder, um mal ein deutsches Sprüchlein zu zitieren: „Willste gelten, mach dich selten.“

[via Welt Online]

Kommentare

  1. Apple macht daraus ihr Geschäft (nicht aus Reaktanz, aber doch aus dem Seltenheits- und Raritätenprinzip). Man könnte sich ja fragen, warum sie ihre technischen Leckereien nicht einfach mal zur Genüge bereits stellen, so dass keine langen Wartezeiten bei den Kunden auftreten.
    Aber wäre ein iPad etc. denn wirklich noch so attraktiv, wenn man einfach so in den Laden gehen und schon von Anfang an eins kaufen könnte…?!

    Die Frage, lieber Daniel: sollten Eltern ihren Kindern dann einfach Salat und Obst verbieten…? 😉
    Liebe Grüße,
    Michael

  2. Es ist schön zu sehen, dass das Knappheitsparadigma bei Kindern noch zählt. Aber um ehrlich zu sein, das zählt bei uns doch auch noch, nur in Abgewandelter Form: Sonderangebot, nur noch bis Morgen. -> wir kaufen mehr, als wir bräuchten 😉

  3. Reaktanz – Verbote erhöhen die Lust auf Schokolade http://bit.ly/h2IGHF

  4. RT @danielrettig: Tipp für alle Eltern: Verbote erhöhen die Lust auf Schokolade http://bit.ly/eOsL5l #psychologie

  5. RT @danielrettig: Reaktanz – Verbote erhöhen die Lust auf Schokolade http://t.co/NchwHdy

  6. Reaktanz – Verbote erhöhen die Lust auf Schokolade Futtert Ihr Kind liebend gerne Schokolade? Würden Sie das gerne unter http://tiny.ly/HXXk

  7. @frauenfuss Und hier der Grund, warum ich es schaffe, "nur" eine halbe Tafel Schokolade zu essen… Kann´s bestätigen http://bit.ly/e1X3a4

  8. Tipp für alle Eltern: Verbote erhöhen die Lust auf Schokolade http://bit.ly/eOsL5l #psychologie

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  1. […] Ausdruck zu verleihen. Vor einigen Monaten konnte eine britische Forscherin beispielsweise zeigen: Wer Kindern Schokolade verbietet, steigert deren Bedürfnis nur noch […]

  2. […] Menschen bewusst? Selten, wenn ihnen jemand etwas vorschreibt (siehe auch Reaktanz und auch ein schöner Artikel dazu in Daniel Rettigs Blog […]

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