Meinungsbildung im Internet – Warum wir der Mehrheit widersprechen

Nehmen wir an, Sie wollen ein Handy kaufen und haben bereits einen Favoriten. Doch bei der Recherche im Internet stoßen Sie auf zahlreiche Stimmen, die ein anderes Modell empfehlen. Wie beeinflusst das Ihre Entscheidung?

Genau diese Frage stellten sich jetzt auch Wissenschaftler der „HP Labs“, dem firmeneigenen Forschungszentrum von Hewlett-Packard. Das Team um die Doktorandin Haiyi Zhu wollte wissen, wie wir reagieren, wenn wir mit Ansichten konfrontiert werden, die unserer eigenen total widersprechen: Passen wir uns der Meinung der anderen an? Oder beharren wir erst recht auf unserer eigenen?

In der Studie (.pdf) beteiligten sich 433 Freiwillige an einer Online-Umfrage. Zum einen sahen sie Fotos zweier Babys und sollten sagen, welches sie süßer fanden. Zum anderen sollten sie zwei Sofas miteinander vergleichen und ihren Favoriten wählen.

Im Anschluss bekamen sie die Bilder noch mehrmals zu sehen. Doch diesmal erfuhren sie gleichzeitig, dass eine gewisse Anzahl von Personen völlig verschiedener Meinung gewesen war und das andere Baby oder das andere Sofa schöner gefunden hatte.

Wie die Teilnehmer reagierten? Interessanterweise völlig unterschiedlich. Behauptete das Forscherteam, dass nur wenige Personen anderer Meinung waren, dann neigten die Probanden häufig dazu, ihre eigene Ansicht zu ändern und sich der Mehrheitsmeinung anzuschließen. Doch je mehr Personen eine abweichende Meinung vertraten, desto stärker beharrten die Teilnehmer auf ihrer eigenen Meinung.

Auf den ersten Blick überrascht dieses Ergebnis vielleicht. Denn man könnte davon ausgehen, dass der soziale Druck umso größer wird, je mehr Personen anderer Meinung sind – und wir uns dementsprechend anpassen. Offenbar ist das genaue Gegenteil der Fall.

Den legendären US-Psychologen Jack Brehm würde das Resultat vermutlich weniger überraschen. Er stellte bereits im Jahr 1966 die Theorie der Reaktanz auf – und genau die erklärt das Resultat des Versuchs von Zhu und Co.

Reaktanz steht für eine Art inneren Widerstandsmechanismus, der ausgelöst wird, sobald wir unsere Freiheit eingeschränkt oder bedroht sehen. Ein simples Beispiel: Wer seinen Kindern den Konsum von Schokolade verbietet, der erreicht damit vor allem eines – dass sie die Schokolade umso mehr wollen.

Übertragen auf das Experiment von Haiyi Zhu bedeutet das: Wenn wir im Internet mitbekommen, dass eine Vielzahl von Menschen anderer Meinung ist, beharren wir umso eher auf unserer eigenen.

Nach Ansicht von Zhus Ko-Autor Bernardo Huberman sollten auch Unternehmen das Ergebnis der Studie berücksichtigen. Anstatt die Kunden im Internet mit einer Vielzahl von Alternativen zu überfordern, sollten lieber einige wenige Personen von diesem Produkt oder jener Dienstleistung schwärmen. Huberman: „Das ist im Endeffekt viel effektiver.“

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