Licht und Dunkelheit – Gedanken beeinflussen unsere visuelle Wahrnehmung

Ein schlechtes Gewissen kann nicht nur die Seele belasten. Eine neue Studie zeigt: Gedanken an vergangene Missetaten beeinflussen auch unsere visuelle Wahrnehmung.

Dunkle Gassen, dunkle Gestalten, dunkle Machenschaften auf der einen Seite, und leuchtende Vorbilder, strahlende Gesichter und helle Köpfchen auf der anderen: Metaphern von Licht und Dunkelheit helfen uns seit Jahrhunderten dabei, Personen und Situationen in Gut und Böse zu trennen. Sowohl im wahren Leben als auch in der Literatur. Schon in William Shakespeares „Macbeth“ heißt es: „Komm, schwarze Nacht / Umwölk dich mit dem dicksten Dampf der Hölle / Daß nicht mein scharfes Messer sieht die Wunde, die es geschlagen / noch der Himmel, durchschauend aus des Dunkels Vorhang.“

Inzwischen wissen Psychologen, dass sich solche Metaphern auch auf unsere tatsächlichen Empfindungen auswirken können. Chen-Bo Zhong und Geoffrey Leonardelli beispielsweise fragten Teilnehmer ihrer Studie im Jahr 2008, wann sie sich zum letzten Mal sozial ausgeschlossen fühlten. Dann sollten sie die Temperatur im Laborraum schätzen. Und siehe da: Verglichen mit einer Kontrollgruppe nahmen sie den Raum deutlich kälter war.

Jetzt zeigt eine neue Studie von Pronobesh Banerjee von der Universität von Kansas: Unsere Gedanken prägen nicht nur unser Temperaturempfinden – sondern offenbar auch unsere visuelle Wahrnehmung.

Im ersten Versuch sollten sich 40 Studenten entweder an eine Situation erinnern, in der sie sich ethisch korrekt oder unethisch verhalten hatten – und aufschreiben, wie sie sich währenddessen gefühlt hatten. Nun sollten sie auf einer Skala von eins (dunkel) bis sieben (hell) angeben, wie sie das Licht im Raum empfanden. Und siehe da: Wer sich zuvor an eine miese Tat erinnert hatte, fand das Zimmer um etwa zehn Prozent dunkler.

Dasselbe Resultat erhielten die Wissenschaftler im zweiten Experiment. Wieder bewerteten jene Probanden den Raum dunkler, wenn sie sich zuvor eine Missetat in Erinnerung gerufen hatten. Mehr noch: Als Banerjee ihnen einige Produkte vorlegte, entschieden sie sich wesentlich häufiger für solche, die Licht spendeten – etwa eine Taschenlampe oder eine Kerze.

Offenbar reichte die schlichte Erinnerung an eine moralische Verfehlung, um das schlechte Gewissen zu wecken. Mit anderen Worten: Die Seele verdunkelte sich. Und in jenem Zustand empfanden die Teilnehmer den Raum nicht nur als dunkler – sondern waren auch auf der Suche nach einer Lichtquelle, die ihr Gemüt buchstäblich aufhellte.

Aber: Das Ganze funktioniert auch umgekehrt, wie Wissenschaftler um Francesca Gino in einer Studie (.pdf) im Jahr 2010 zeigen konnten. Demnach neigen Menschen eher zum Lügen und Betrügen, wenn der Raum dunkel ist. Ein weiteres Argument für besseres Licht im Büro.

Quelle:
Pronobesh Banerjee, Promothesh Chatterjee und Jayati Sinha (in press). Is It Light or Dark? Recalling Moral Behavior Changes Perception of Brightness. In: Psychological Science.

[Foto: kassy.miller unter cc-by]

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