Happa happa – 10 psychologische Fakten über Essen

Auch im Jahr 2011 werde versuchen, jeden Montag einen Aspekt unseres Alltags aus psychologischer Sicht zu betrachten. Zum Auftakt ein Thema, das jeden von uns betrifft – zehn psychologische Fakten über Essen.

1. Essen vor dem Fernsehen macht dick: Eine aktuelle Studie des britischen Psychologen Jeffrey Brunstrom von der Universität von Bristol beweist: Wer vor der Glotze speist, isst im Endeffekt mehr. Brunstrom ließ 44 Freiwillige ein Mahl verzehren. Die eine Hälfte der Teilnehmer spielte während des Essens ein Computerspiel, die andere Hälfte widmete sich allein der Nahrungsaufnahme. Und siehe da: Diejenigen, die während der Mahlzeit abgelenkt waren, fühlten sich danach weniger satt. Mehr noch: Sie aßen 30 Minuten später bereits doppelt so viele Kekse.

2. Die Augen essen mit: Wie viel wir während einer Mahlzeit vertilgen, liegt nicht nur am Essen oder unserem Hunger – eine große Rolle spielt auch die Größe des Tellers. Brian Wansink von der US-Uni Cornell gab den 54 Probanden seiner Studie (.pdf) im Jahr 2005 Suppe aus. Doch während die eine Hälfte der Teilnehmer aus normalen Suppentellern aß, bekam die andere Hälfte einen speziellen Teller, der sich über einen unsichtbaren Schlauch immer wieder selbst auffüllte. Und siehe da: Die zweite Gruppe löffelte im Endeffekt 73 Prozent mehr Suppe. Verblüffend war jedoch etwas anderes: Trotzdem waren sie hinterher davon überzeugt, nicht deutlich mehr gegessen zu haben – und satter fühlten sie sich auch nicht. Wer abnehmen will, sollte sein Essen demnach lieber auf einen kleinen, vollgepackten Teller verteilen.

3. Frauen essen weniger, wenn Männer anwesend sind: Meredith Young von der kanadischen McMaster University beobachtete für ihre Studie im Jahr 2009, wie sich 469 Personen während des Essens in einer Unimensa anstellten. Ergebnis: Befanden sich Frauen in Begleitung von Männern, wählten sie deutlich häufiger kalorienarme Speisen. Womöglich wollten sie damit unbewusst ihre Attraktivität erhöhen. Männer hingegen waren immun gegen solche subtilen Manipulationen: Bei ihnen beeinflusste die Anwesenheit einer Frau die Wahl des Essens überhaupt nicht.

4. Gedanken ans Essen füllen den Magen: Können wir uns quasi per Gedankenkraft satt essen? Genau das wollte Carey Morewedge von der Carnegie Mellon Universität im vergangenen Jahr wissen. In einer Reihe von Experimenten (.pdf) testete er, wie sich wiederholtes Denken an ein Lebensmittel auf dessen Verzehr auswirkte. Eine Gruppe sollte beispielsweise im Geist 33 Schokolinsen essen. Danach boten der Wissenschaftler allen Teilnehmern eine Schüssel ebenjener Schokolinsen an. Sie ahnen es: Wer in Gedanken bereits 33 Schokolinsen verputzt hatte, aß nun erheblich weniger. Dahinter steckt laut Morewedge das Prinzip der Habituation. Die besagt: Wer ständig einem Reiz ausgesetzt ist, gewöhnt sich irgendwann an ihn – und bemerkt ihn irgendwann gar nicht mehr.

5. Kalorienangaben verändern das Essverhalten: Würden Sie Ihren Kindern Hamburger und BigMacs kaufen, wenn Sie bei McDonald’s mit Kalorienangaben konfrontiert würden? Vermutlich nein. Das zumindest resümierte Pooja Tandon von der Universität von Washington in Seattle. Für ihre Studie im Jahr 2010 reichte sie 99 Eltern die Speisekarte des Burgerkonzerns – die eine Hälfte sah jedoch nicht nur Fotos und Preise der Produkte, sondern auch deren Kaloriengehalt. Nun sollten die Eltern ein Menü für ihre drei- bis sechsjährigen Kinder zusammenstellen. Die Kalorien hinterließen Wirkung: Wer die Nährwertangaben auf seiner Speisekarte sah, wählte im Schnitt 102 Kalorien weniger – ein Unterschied von bis zu 20 Prozent.

6. Fast Food macht ungeduldig: Dass Fast-Food-Restaurants nicht unbedingt gesundheitsfördernd sind, kann man sich denken. Sanford DeVoe von der Universität Toronto entdeckte in seiner Studie (.pdf) im vergangenen Jahr: McDonald’s und Co wirken sich sogar auf unser Verhalten aus. In einem Experiment setzte er die Probanden vor einen Monitor. Bei einigen Probanden blitzten nun für wenige Sekunden Logos von Fast-Food-Ketten auf – gerade so lang, dass die Teilnehmer die Logos unterbewusst wahrnahmen. Als DeVoe die Probanden im Anschluss einen Lesetest absolvieren ließ, zeigte sich: Die Logo-Gruppe las viel hektischer und schneller. Ähnliche Entdeckungen machte DeVoe in weiteren Experimenten: Fast-Food-Erlebnisse ließen die Teilnehmer eher zeitsparende Waren wählen oder steigerten die Ungeduld bei ökonomischen Entscheidungen. Offenbar verringert die Kultur des schnellen Essens unsere Geduld und steigert das Bedürfnis nach schneller Belohnung.

7. Ernährungsziele werden leicht fallen gelassen: Was würden Sie bevorzugen: einen Apfel, eine Banane, einen Schokoriegel oder eine Waffel mit Sirup? Diese Frage stellte Pascalle Weijzen von der niederländischen Universität Wageningen im Jahr 2008 585 Freiwilligen. Ziel seiner Studie: Er wollte herausfinden, ob Menschen sich wirklich an ihre Ernährungsziele halten. Etwa die Hälfte der Befragten sagte ihm, sich definitiv für eine der beiden Früchte zu entscheiden. Eine Woche später stellte Weijzen die Teilnehmer auf die Probe und konfrontierte sie mit den Snacks. Und siehe da: Jeder vierte Teilnehmer entschied sich um und wählte nun eine der beiden Kalorienbomben. Anders war das Bild bei denjenigen, die schon vorher die Süßigkeit wählen wollten. Von ihnen blieben 90 Prozent bei ihrer Entscheidung.

8. Mädchen haben einen feineren Geschmackssinn: In seiner Studie wollte Bodil Allesen Holm von der Universität Kopenhagen im Jahr 2008 herausfinden, ob Jungen und Mädchen anders auf Geschmacksrichtungen reagieren. 8900 dänische Schüler beteiligten sich während des Unterrichts an einem Experiment, bei dem es darum ging, verschiedene Geschmacksrichtungen zu erkennen. Das Fazit: Mädchen haben einen feineren Geschmackssinn. Sie nahmen selbst kleinste Geschmacksnuancen viel besser wahr als Jungen.

9. Der Blutzuckerspiegel beeinflusst unser Denken: Vor einer wichtigen Entscheidung soll man der Binsenweisheit zufolge noch eine Nacht drüber schlafen. Ebenfalls wichtig ist jedoch ein voller Magen, wie Robert Dvorak von der Universität von South Dakota in seiner Studie (.pdf) im Jahr 2010 zeigen konnte. 65 Freiwillige wurden gefragt: „Würden Sie lieber morgen 120 US-Dollar bekommen oder in 31 Tagen 450 Dollar?“ Anschließend bekam die eine Hälfte der Teilnehmer zuckerhaltige Limonade, die andere die zuckerfreie Version. Zehn Minuten später wiederholte Dvorak die Frage. Resultat: Wer die Limo mit Zucker getrunken und infolgedessen einen höheren Blutzuckerspiegel hatte, entschied sich wesentlich häufiger für die höhere Auszahlung in der Zukunft. Wer hingegen Süßstoff im Blut hatte, wählte eher den niedrigeren Gewinn. Mögliche Erklärung: Bei niedrigem Blutzuckerspiegel, also einem Mangel an Energie, rückt der Gedanke an die Zukunft in den Hintergrund – und die Gegenwart wird wichtiger.

10. Frauen essen aus Frust, Männer vor Freude: Laurette Dubé von der kanadischen McGill Universität befragte für ihre Studie (.pdf) im Jahr 2005 277 Personen zu ihren Essgewohnheiten. Ergebnis: Männer und Frauen schlagen sich aus unterschiedlichen Gründen die Bäuche voll. Während sich Männer der Völlerei eher bei freudigen Anlässen hingeben, greifen Frauen eher bei Einsamkeit und Frust zu Kalorienhaltigem.


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