Haben wollen – Macht Materialismus einsam?

Einige Wissenschaftler vermuten, dass Materialismus die Einsamkeit fördert – und umgekehrt. Aber stimmt das? Nicht unbedingt, meint jetzt ein niederländischer Psychologe. Demnach kann Materialismus die Einsamkeit auch lindern.

MaterialismusZugegeben: Ein paar Stunden Alleinsein tun manchmal ganz gut – bloß sollte die soziale Isolation nicht zum Dauerzustand werden. In den vergangenen Jahren haben Psychologen zahlreiche Erkenntnisse über Einsamkeit gefunden: Einzelgänger trinken mehr Alkohol, nehmen häufiger Drogen, fühlen sich gestresster, schlafen schlechter und sterben früher.

Aber warum sind Menschen überhaupt einsam, vielleicht sogar mehr als je zuvor?

Manche Wissenschaftler glauben, dass dies am steigenden Materialismus liegt – also einer auf Besitz und Gewinn bedachten Lebenseinstellung. Nach dem Motto: Je mehr Wert jemand auf materiellen Besitzt legt, desto weniger weiß er soziale Beziehungen zu schätzen. Und je einsamer jemand ist, desto materialistischer wird er.

Aber stimmt das wirklich? Führt Materialismus zu Einsamkeit – und umgekehrt?

Diesen Fragen widmete sich nun der Psychology Rik Pieters, Professor an der Universität Tilburg. Für seine Studie, die demnächst im Journal of Consumer Research veröffentlicht wird, analysierte er eine repräsentative Langzeituntersuchung. Fünf  Jahre lang, von 2005 bis 2010, hatten knapp 2800 Niederländer immer wieder dieselben Fragen beantwortet.

Zum einen gaben sie Auskunft darüber, wie materialistisch sie waren – ob es ihnen Spaß mache, Gegenstände zu kaufen; ob sie sich über ihre Besitztümer definierten; und wie wichtig Besitz für ihre Zufriedenheit war. Zum anderen sagten sie, ob sie sich sozial eingebunden fühlten, ob sie gute Freunde hatten oder ob sie eher ein Leben als Einzelgänger fühlten und sich häufig einsam fühlten.

Und siehe da: Materialismus und Einsamkeit waren eng miteinander verknüpft – wenn auch anders als vermutet.

Ja, ein gewisses Maß an Materialismus war für die Befragten eher ein Fluch. Dann nämlich, wenn sie Erfolg vor allem über Besitz definierten; wenn ihr Seelenheil und ihre Glückseligkeit davon abhingen, was sie sich leisten konnten. Eine solche Einstellung ging einher mit größerer Einsamkeit.

Doch in anderen Fällen erwies sich Materialismus tatsächlich eher als Segen. Wenn die Menschen Einkaufen vor allem mit Frohsinn verbanden; wenn sie es genossen, sich einfach mal etwas zu gönnen; wenn sie sich an einem gewissen Luxus erfreuten – dann konnte Pieters beobachten, dass sie sich im Laufe der Jahre weniger einsam fühlten.

Kurzum: Materialismus ist durchaus mit Einsamkeit verbunden. Dieses emotionale Loch wollen die Betroffenen oft füllen, indem sie sich Dinge kaufen und Geld ausgeben – ein Teufelskreis. Doch wer zu Gegenständen, Gütern und Geld ein eher entspanntes Verhältnis hat, der riskiert demnach keine soziale Isolation.

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben kann man ohnehin nicht kaufen.

Quelle:
Rik Pieters (2013). The Cycle of Materialism and Loneliness: Bidirectional Dynamics and Not Only Vicious. Journal of Consumer Research, Band 40

[Foto: gualtiero boffi via Shutterstock]

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