Gute Erholung – Die Vorteile der Lieblingsserie

Haben Sie auch eine Lieblingsserie, die Sie immer und immer wieder gucken könnten? Kein Wunder: Einer neuen Studie zufolge kann das dabei helfen, den geistigen Akku wieder aufzuladen und die Laune zu verbessern.

Darf ich vorstellen? Shumway, Gordon Shumway heißt der kleine Kerl, den Sie auf dem rechten Foto sehen. Die Hauptfigur der gleichnamigen Fernsehserie war früher mein Held – und diese Kindheitserinnerungen prägen mich auch heute noch.

Wenn Wiederholungen der Serie im Fernsehen laufen – und das kommt ziemlich oft vor -, bleibe ich automatisch hängen. Vor einigen Jahren gönnte ich mir sogar die erste Staffel von „Alf“ auf DVD.

Ich bin da keine Ausnahme. Viele meiner Freunde und Bekannten lieben es, die Serien ihrer Kindheit zu gucken, egal ob „Das A-Team“, „MacGyver“ oder „Knight Rider“.

Werden die Tassen in unserem Schrank langsam weniger? Hängen wir geistig noch immer in der Kindheit fest? Wehren wir uns dagegen, erwachsen zu werden?

Nichts dergleichen, sagt die Psychologin Jaye Derrick von der Universität von Buffalo. „Menschen flüchten sich vor allem nach geistig anstrengenden Tätigkeiten in bekannte Welten“, resümiert sie in einer neuen Studie, „zum Beispiel ihre Lieblingsserien.“ Und dieses Eintauchen helfe dabei, den gedanklichen Akku wieder aufzuladen.

Geistige Kraft

Roy Baumeister, Psychologieprofessor der Florida-State-Universität, gilt als Entdecker der sogenannten „Ego-Depletion“-Theorie. Vereinfacht gesagt: Je mehr geistige Kraft wir für eine Aufgabe brauchen, desto mehr Energie verbrauchen wir.

Die Folge: Wir sind nicht nur erschöpft, sondern verlieren auch die Fähigkeit zu Disziplin und Selbstkontrolle – und darunter leidet unsere Leistung bei Folgeaufgaben. Also gilt es, den gedanklichen Akku wieder aufzuladen. Und dabei können auch Lieblingsserien helfen, meint Derrick.

Zu diesem Ergebnis kam sie in zwei Experimenten. Im ersten sollten 205 Freiwillige von ihrem letzten Urlaub berichten, in mindestens zehn Sätzen. Allerdings untersagte Derrick es der Hälfe der Teilnehmer, die Buchstaben „a“ und „i“ zu verwenden. Will sagen: Sie mussten sich geistig anstrengen, um sich daran zu halten – und das verbraucht nach den Erkenntnissen von Roy Baumeister geistige Energie.

Nun teilte die Forscherin die Probanden in zwei Gruppen: Die eine sollte einen kurzen Aufsatz über ihre Lieblingsserie schreiben, die anderen einen Text über die Gegenstände in ihrem Schlafzimmer.

Bessere Stimmung

Danach ließ Derrick alle Freiwilligen ein Worträtsel knacken und fragte nach ihrer Laune. Und siehe da: Jene Testpersonen, die die Buchstaben „a“ und „i“ nicht hatten verwenden dürfen, schlugen sich nun wesentlich schlechter und waren mieser gelaunt – aber nur dann, wenn sie über die Dinge in ihrem Zimmer geschrieben hatten. Jene hingegen, die von ihrer Lieblingsserie berichtet hatten, erzielten im Rätsel wesentlich bessere Ergebnisse – und waren auch viel besser gelaunt.

Das zweite Experiment kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Hier schrieben 86 Freiwillige zwei Wochen lang täglich Tagebuch und berichteten sowohl von ihren Aktivitäten als auch ihrer Laune. Als Derrick die Ergebnisse auswertete, stellte sie fest: Wer sich mit bekannten Dingen ablenkte, etwa einem Lieblingsfilm oder einer Lieblingsserie, dem ging es wesentlich besser.

„Mediennutzung hat unerwartete psychologische Vorteile“, schreibt Derrick. Auch Serien und Filme könnten dazu beitragen, den Akku aufzutanken – um sich danach den nächsten Aufgaben mit größerer Kraft zu widmen.

Apropos Lieblingsserie…

Quelle:
Jaye Derrick (2012). Energized by Television: Familiar Fictional Worlds Restore Self-Control. Social Psychological and Personality Science

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