Gewaltenteilung – Wie reagiert man auf Provokation?

Gestern war ich mit meiner Freundin und einem Freund beim Fußballspiel des 1. FC Köln. Auf der Rückfahrt wurden wir in der Straßenbahn provoziert. Im Nachhinein frage ich mich: Habe ich richtig reagiert?

Wie nach jedem Heimspiel war die Straßenbahn hinterher voll bis auf den letzten Platz – wir mussten stehen. Als die Bahn endlich los fuhr und sich die Türen schlossen, zündete sich ein Fahrgast auf dem Sitz direkt neben uns eine Zigarette an.

Nun muss man wissen, dass meine Freundin ungefähr der freundlichste Mensch der Welt ist. Entsprechend höflich sagte sie zu dem Herrn: „Entschuldigung, könnten Sie bitte die Zigarette ausmachen?“ Er, Mitte 30, Kapuzenpulli, schaute sie entgeistert an: „Wieso, die da vorne rauchen doch auch.“ Sie, immer noch höflich: „Bitte machen Sie sie doch einfach aus.“ Er, immer noch entgeistert: „Jaja, mache ich gleich.“ Machte er natürlich nicht.

Als wäre das noch nicht genug, fingen er und sein Freund an, sich über meine Freundin lustig zu machen. Ich merkte, wie der Raucher mich aus den Augenwinkeln beobachtete. Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich schaute zu ihm herüber.

Er: „Sag mal, kann Deine Freundin auch ihre Schuhe ausziehen?“
Ich: „Verstehe ich nicht.“
„Ich finde ihre Schuhe hässlich.“
„Hör mal, Sie hat Dich doch einfach ganz freundlich gebeten, die Zigarette auszumachen, weil uns das stört.“
„Ja, und mich stören ihre Schuhe.“

Darauf sagte ich nichts mehr und schaute weg. Der Raucher guckte mich immer noch an und rief: „Und ich soll Dir von Deiner Mutter sagen, das Essen ist fertig.“

Den Rest der Bahnfahrt schwiegen wir.

Während der ganzen Fahrt spürte ich diese Wut in mir hochkochen, und doch sagte ich nichts. Unser Freund, ein Karate-Schwarzgurt, stimmte mir nachher zu, dass ich mich absolut richtig verhalten hätte – denn in einer solchen Situation könne man nur verlieren, egal was man unternimmt. Daher sei es besser, gar nichts zu tun.

Angeblich gibt ja immer der Klügere nach. Habe ich mich also richtig verhalten?

Kommentare

  1. Daniel, ich glaube, du kannst in solchen Situationen fast nur den Kürzeren ziehen, wenn du rohe Gewalt nicht in Betracht ziehst (was ich ehrenhaft finde). Nichts zu tun, ärgert einen selbst und man denkt dann leicht „wenn hier alle rauchen würden…“. Etwas zu tun und dann ne blöde Antwort zu bekommen, die eigentlich ja darauf zielt, handgreiflich zu werden, ist auch blöd.

    Ich glaube der einzige Weg in solch einer Siutation dürfte das Verbünden mit anderen sein, die sich ebenfalls vom Rauch gestört fühlen. Denn wenn hinter dem Vogel und neben ihm auch noch Leute sagen „Junge, lass es bitte sein“, dann glaube ich muss nicht einmal dein Schwarzgurt dabei sein.

    @Nico: der provokante Stil sollte – soweit ich das gelernt habe – nur angewandt werden, wenn man das Gegenüber mag, ihm helfen will, ihn herauslocken möchte und gerade NICHT, wenn es als echte Provokation gemeint ist. Aber ich finde die Richtung, die du angesprochen hast, ziemlich gut. Wie wäre es denn, den Esel am Schwanz zu ziehen mit „Hast du mal ne Zigarette? Hast du auch noch eine für meine Freundin? Und noch eine für meinen Kumpel hier? Und noch eine für den Typen da, den ich zwar nicht kenne, aber der ja auch ganz nett aussieht?“…

    LG,
    Michael

  2. In der Tat besser, hier nichts zu tun, oder aber Hilfe von eindeutig Befugten (Polizei, Bahnpersonal oder ähnliches) zu holen. Darauf, dass jemand auf die Provokation reagiert, wird doch bewusst angelegt – insofern ist ein galantes Unterlassen das Unwahrscheinlichste, was passieren kann. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass man sich hinterher ärgern muss, dass man den Karatekurs mit 13 doch nicht belegt hat.
    Oder aber eben auf Höflichkeit verzichten und das Aggressionsniveau gleich so hochschrauben, dass dem Provokateur nur Einlenken oder Gewalt als Option übrig bleibt. Der Schwarzgurt hatte recht: in jedem Fall wird es nur Verlierer geben.

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  5. Daniel Rettig says:

    @Nico: Vielen Dank für die schnelle Reaktion. Würdest Du im Umkehrschluss also sagen: Direkte Bitten um Unterlassung bringen meist nie etwas, egal wie freundlich man ist?

  6. In der Provokativen Therapie gibt´s eine Technik, die sich „den Esel am Schwanz ziehen“ nennt. Es gibt Kommunikationsratgeber, die ein solches Vorgehen hier empfehlen würden.
    Heißt konkret: Man bittet den Gegenüber mit freundlichem Ausdruck, ob er/sie „den Rauch nicht noch ein wenig zielgerichteter in die eigene Richtung pusten könnte“. Das löst nicht so viel „psychologische Reaktanz“ aus, wie eine direkte Bitte, etwas zu unterlassen. Und zeugt außerdem von Humor, was meistens zur Entspannung der Situation beiträgt.

    Ist aber trotzdem immer gut, einen Schwarzgurt dabei zu haben… 🙂

  7. RT @danielrettig: Gewaltenteilung – Wie reagiert man auf Provokation? http://bit.ly/eFM7Cc

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