Früh reif – Jungen kommen früher in die Pubertät

Seit einigen Jahrhunderten setzt die Pubertät bei Kindern früher ein, wobei Mädchen meist zuerst dran sind. Doch eine neue Studie resümiert: Auch Jungen kommen heute immer früher in die Pubertät – im Schnitt mit zehn Jahren.

Es beginnt im Kopf. Wenn der Hypothalamus, eine Region im limbischen System, eine gewisse Größe erreicht hat, sendet er bestimmte Hormone aus. Willkommen in der Pubertät.

Der Ausdruck stammt vom lateinischen Wort „Pubertas“, was so viel heißt wie „Geschlechtsreife“ oder auch „mit Haaren bedeckt“. Denn dazu kommt es in der Pubertät. Die Haare an Armen, Beinen, unter den Achseln und im Genitalbereich wachsen.

Aber neben körperlichen Veränderungen verändert sich auch die Psyche der Pubertierenden. Die Persönlichkeit bildet sich heraus, sie lösen sich vom Elternhaus ab. Bei Frauen beginnt die Pubertät mit der Menarche, der ersten Regelblutung. Männer starten mit der Produktion fruchtbarer Spermien.

Bislang waren sich Wissenschaftlern in zwei Punkten relativ einig: Zum einen setzt die Pubertät heute wesentlich früher ein als noch vor ein paar Jahrhunderten. Zum anderen kommen Mädchen bereits mit zehn in die Pubertät, Jungen erst mit elf oder zwölf.

Doch offenbar muss der Wert für Jungen nach unten korrigiert werden. So lautet zumindest das Resultat einer neuen Studie von Marcia Herman-Giddens von der Universität von North Carolina in Chapel Hill.

Für ihre Studie kooperierte sie mit 200 Kinderärzten in insgesamt 41 Bundesstaaten. Die schickten Herman-Giddens die Daten der Vorsorgeuntersuchungen von 4131 Jungen im Alter zwischen sechs und 16.

Die Ärzte begutachteten darin unter anderem die Körpergröße, die Schamhaare sowie die Hoden­größe der Jungen – alles Faktoren, die auf den Beginn der Pubertät hindeuten. Ergebnis: Sie erreichten die Pubertät fast zwei Jahre früher als erwartet.

Jungen aus weißen und hispanoamerikanischen Familien kamen im Durchschnitt mit zehn Jahren in die Pubertät – anderthalb Jahre früher als gedacht. Afroamerikanische Jungen waren im Schnitt sogar schon mit neun Jahren in der Pubertät – zwei Jahre früher als erwartet.

Über die Ursachen vermochte Herman-Giddens keine Aussagen zu machen. Denkbar wäre, dass eine veränderte Ernährung oder weniger körperliche Bewegung für die Entwicklung verantwortlich ist. Doch offenbar werden aus Kindern heute wesentlich früher Erwachsene. Egal ob Junge oder Mädchen.

Quelle:
Marcia Herman-Giddens et al (2012). Secondary Sexual Characteristics in Boys: Data From the Pediatric Research in Office Settings Network. Pediatrics

[Foto: City of Vancouver Archives unter cc-by]

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