Die Alltagsforschung hat Geburtstag – 10 Gründe, warum Journalisten bloggen sollten

Happy Birthday Alltagsforschung: Mein Blog wird heute zwei Jahre alt. Daher aus aktuellem Anlass meine zehn wichtigsten Argumente dafür, warum Journalisten bloggen sollten. 

Wenn ich Freunden, Bekannten oder Verwandten von meinem Blog erzähle, fragen die mich häufig: Warum machst Du das? Vor allem aus zwei Gründen.

Zum einen entdeckte ich durch meine Arbeit bei der WirtschaftsWoche mein Interesse für Psychologie. Dabei fiel mir auf, dass es zwar eine Reihe englischsprachiger Psychologie-Blogs gab, etwa den Research Digest von Christian Jarrett oder Frontal Cortex von Jonah Lehrer – aber eben kein deutsches. Zumindest keines, das regelmäßig von neuen Studien berichtete. Und deshalb beschloss ich, diese Lücke zu schließen.

Zum anderen glaube ich heute, zwei Jahre und 543 Texte später: Es gibt gute Gründe dafür, warum Journalisten bloggen sollten. Hier meine wichtigsten – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Journalisten sollten bloggen, weil…

1. …es die eigene Schreibe verbessert. Ich bin fest davon überzeugt: Wer etwas regelmäßig und gerne tut, wird zwangsläufig besser. Und wer sich ständig verbessert, wird seine Leser zwangsläufig finden. Kurze Angeberei: 1148 Leser hatte ich laut Google Analytics im Dezember 2009. Im vergangenen November waren es erstmals mehr als 25.000.

2. …es direkte Resonanz gibt. Etwa 90 Prozent der Kommentare hier im Blog sind positiv, ganz selten mosert oder meckert mal jemand rum – und wenn doch, sind die Anmerkungen fast immer konstruktiv gemeint.

3. …es dabei hilft, seine Leidenschaft zu entdecken. Ich hatte bislang an keinem Thema soviel Spaß wie an Psychologie – ohne dafür Geld zu bekommen. Ich weiß zwar nicht, wohin mich dieser Weg noch führt, aber irgendetwas muss es ja zu bedeuten haben, dass ich mich damit so lange und gerne beschäftige.

4. …man ein Gespür für Themen bekommt. Oder genauer: Für Themen, die die Menschen interessieren und/oder bewegen. Sehr schön nachvollziehen kann man das erstens anhand der Zahl der Tweets, zweitens an der Zahl der „Likes“ bei Facebook und drittens an meinen fünf meist gelesenen Beiträgen: Schöne Zitate, die Psychologie von Facebook und Fakten über die Liebe gehen immer.

5. …es der Eigenwerbung dienen kann. Beispielsweise wenn man ein Buch veröffentlicht, so wie ich und mein Ex-Kollege und Immer-Noch-Freund Jochen Mai im Juli. Einige unserer Leser konnten wir sofort für unsere Fanseite bei Facebook gewinnen – und einige davon kauften das Buch und empfahlen es weiter.

6. …man seine „Fan“-Gemeinde wachsen sieht. Vor einigen Monaten habe ich der Alltagsforschung eine Facebook-Seite eingerichtet – und ich bin wirklich baff, dass sich dort inzwischen schon mehr als 800 Nutzer als „Fan“ bekannt haben. Das Wort „Fan“ setze ich in Anführungsstriche, weil ich nie von mir selbst behaupten würde, Fans zu haben. Das sollen Sportler, Musiker oder sonstige Promis übernehmen.

7. …man sein Wissen weitergeben kann. Seit einigen Monaten gebe ich an meiner früheren Uni, der Kölner Journalistenschule, einen Kurs. Dessen Oberthema? Erraten: „Warum Journalisten bloggen sollten und wie sie es am besten anstellen“.

8. …man für Interviews angefragt wird. Vor einigen Monaten kontaktierte mich SWR3 und befragte mich zum Thema „Liebe“ (.mp3), kürzlich sprach ich mit Radio Fritz über den Werther-Effekt. Warum die Redakteure ausgerechnet auf mich kamen? Sie hatten bei der Recherche mein Blog gefunden.

9. …es Spaß macht, David zu spielen und Goliath zu ärgern. Inzwischen kommt es öfters mal vor, dass ich Meldungen über neue Studien als Erster poste. Nein, nicht als erster Blogger, sondern als erstes deutsches „Medium“ überhaupt. Vor einigen Monaten schrieb ich beispielsweise über den Google-Effekt und stellte den Artikel freitags morgens online. Spiegel Online und Zeit.de folgten einige Stunden oder Tage später. Vor einigen Wochen berichtete ich von einer Studie, wonach Soziale Netzwerke Kooperation fördern, ein paar Tage später schrieb der Economist über dieselbe Studie. Nein, das soll keine Selbstbeweihräucherung sein. Ich will damit nur sagen: Wenn man es richtig anstellt, ist man als nebenberufliches Ein-Mann-Blog manchmal sogar schneller als hauptberufliche Wissenschaftsjournalisten.

10. …weil es kreativ macht. Wenn man die Leser nicht mit dem immer gleichen Gedöns langweilen will, muss man sich zwangsläufig ab und zu etwas Neues einfallen lassen.

Es gibt sicher noch Dutzende weitere Gründe, warum Journalisten bloggen sollten, aber diese sind eben meine wichtigsten.

Last but not least noch ein persönliches Wort an alle Leser – ich freue mich auch weiterhin riesig über jeden Tweet, jeden Kommentar, jeden Klick und jedes „Like“. Oder, um es kurz zu machen: Danke!

[Foto: Ray_from_LA unter cc-by]

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