But I did – Warum Pläne auch Nachteile haben

Konkrete Pläne sind schön und gut – allerdings kann unsere Motivation auch darunter leiden, resümieren zwei US-Wissenschaftler. Und dann gerät das Ziel in immer weitere Ferne. 

So schön lange, sonnige Wochenenden auch sind – am ersten Arbeitstag fällt das Arbeiten umso schwerer. Erst recht dann, wenn die To-do-Liste prall gefüllt ist. Der Geist ist nicht willig, sondern schwach.

Fakt ist: Viele Menschen haben Probleme, ihre Ziele in die Tat umzusetzen, so dass ihre Pläne scheitern. Ein Problem, mit dem sich der renommierte Motivationspsychologe Peter Gollwitzer schon seit langem beschäftigt. In einer Studie im Jahr 1997 prägte er erstmals den Begriff so genannter Umsetzungsabsichten (implementation intentions). Klingt kompliziert, ist aber ganz simpel.

Gollwitzer entdeckte, dass Menschen ihre Ziele umso besser erreichen, wenn sie sich vorher konkret überlegen, wie sie ein Ziel erreichen wollen. Nehmen wir den Klassiker Abnehmen. „Ich will mehr Sport treiben“ ist demnach wenig zielführend – „Ich will jeden Samstag vor dem Frühstück 30 Minuten Joggen“ schon eher. Zahlreiche Studien konnten seitdem zeigen, dass solche konkreten Absichten in vielen Bereichen nützlich sind, egal ob beim Abnehmen, Lernen oder Rauchenaufhören.

Alles schön und gut. Das Problem ist nur: Im Alltag haben die meisten Menschen mehrere Ziele gleichzeitig – und häufig wird die viel zitierte To-Do-Liste nicht kürzer, sondern länger. Und das liegt auch an ebenjenen konkreten Absichten.

Zu diesem Fazit kommen die beiden Wissenschaftler Amy Dalton und Stephen Spiller in einer neuen Studie (.pdf), die bald im Fachmagazin „Journal of Consumer Research“ veröffentlicht wird. In insgesamt drei Experimenten sollten sich Hunderte von Teilnehmer verschiedene Ziele setzen. Mal wollten sie gesünder essen, mal ordentlicher sein, mal verschiedene Aufgaben im Labor lösen.

Und dabei zeigte sich: Die Umsetzungsabsichten waren zwar durchaus hilfreich – aber lediglich dann, wenn die Probanden nur ein Ziel im Kopf hatten. Sollten sie mehrere Ziele gleichzeitig erreichen, dann waren die konkreten Absichten sogar kontraproduktiv – die Freiwilligen empfanden die Ziele als schwieriger, erreichten sie seltener und hatten auch weniger Spaß daran. Vermutlich deshalb, weil den Teilnehmern durch die konkreten Pläne erst bewusst wurde, wie viel noch zu tun blieb.

Die Studie ist eine schöne Erinnerung daran, dass Pläneschmieden durchaus schaden kann. Dann nämlich, wenn wir uns im Dickicht der Aufgaben verlieren und unsere Motivation dahinschmilzt wie Eis in der Sonne.

Umso wichtiger ist es, sich möglichst kleine Schritte vorzunehmen, um möglichst schnell Erfolge zu erleben. Und: Dinge einfach zu tun. Dazu passt auch eine Anekdote des britischen Künstlers Damien Hirst. Er startete seine Karriere einst damit, dass er Tierkadaver in Formaldehyd einlegte. Bei einer seiner ersten Ausstellungen kam einst ein Besucher zu ihm und sagte zu ihm: „Also das hätte ich auch gekonnt.“ Darauf Hearst: „But I did.“

Quelle:
Amy Dalton, Stephen Spiller (2012). Too Much of a Good Thing: The Benefits of Implementation Intentions Depend on the Number of Goals. Journal of Consumer Research.

[Foto: Jayel Aheram unter cc-by]

Kommentare

  1. Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Meine To-do-Liste für einen Tag ist oft mit den unterschiedlichsten Aufgaben so voll, dass sie für eine Woche reicht. Ich werde mir vornehmen, es einfacher zu halten – und Sachen einfach tun (eine unterhaltsame Anekdote)

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