Bunte Tüte – 10 psychologische Fakten über Farben

Hätten Sie gedacht, dass manche Farben kreativer machen, während andere uns attraktiver wirken lassen? Tatsache ist: Rot, Blau, Schwarz oder Weiß beeinflussen unseren Alltag ganz erheblich. Hier zehn psychologische Fakten über Farben.

1. Blau fördert die Kreativität: Zu diesem Ergebnis kamen Ravi Mehta und Rui Zhu von der Universität von British Columbia in Vancouver in ihrer Studie (.pdf) im Jahr 2009. Über 600 Freiwillige sollten in sechs Experimenten verschiedene Aufgaben an einem Computerbildschirm lösen. Mal war dessen Hintergrund blau, mal rot oder weiß. Roter Hintergrund verbesserte zwar die Leistung bei einer Detailaufgabe wie Korrekturlesen, blaue Farbe steigerte jedoch die Kreativität. Eine mögliche Erklärung: Mit der roten Farbe assoziieren wir Warnsignale, etwa eine Ampel, und daher lässt uns Rot stärker auf Details achten. Mit Blau verbinden wir eher den Himmel oder Wasser – im übertragenen Sinne also Freiheit und Offenheit. Und solche Gedanken fördern die Kreativität.

2. Rot steigert bei Frauen die Attraktivität…: Haben Sie bald ein Rendezvous? Oder wollen Sie Ihren Partner verführen? Dann tragen Sie am besten Rot. Das zumindest resümierten die US-Psychologen Andrew Elliot und Daniela Niesta von der Universität von Rochester im Jahr 2008. In ihrer Untersuchung (.pdf) sollten einige Dutzend Männer Bilder von Frauen ansehen und ihre Attraktivität bewerten. Und siehe da: Frauen in rot wirkten durchgehend attraktiver.

3. …bei Männern aber auch: Das meint Andrew Elliot, ebenfalls von der Universität von Rochester, der für seine Studie (.pdf) im Jahr 2010 verschiedene Experimente konzipierte. In einem zeigte er 25 Männer und 32 Frauen das gerahmte Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes in Poloshirt – wobei der Bilderrahmen einmal weiß, einmal rot war. Als die Teilnehmer auf einer Neun-Punkte-Skala die Attraktivität des Mannes beurteilen sollten, gaben Frauen ihm im Schnitt einen Punkt mehr als auf dem weiß gerahmten. In weiteren Experimenten fanden Frauen Männer in rotem T-Shirt sexuell attraktiver und sprachen ihnen machtvollere Position zu.

4. Rotstifte machen Lehrer strenger: Lehrer korrigieren Klausuren traditionell mit roter Farbe. Wie sehr sich dieser Brauch auf die Psychologie der Schule auswirkt, zeigt ein Experiment (.pdf) von Abraham Rutchick von der California State Universität aus dem Jahr 2010. 133 Freiwillige erklärten sich bereit, zwei Absätze eines Aufsatzes zu korrigieren, das mit Rechtschreibfehlern übersät war. Die Teilnehmer sollten jegliche Fehler markieren, wobei Rutchick ihnen entweder einen Stift mit roter oder blauer Farbe gab. Und siehe da: Wer einen Rotstift benutzte, fand im Schnitt 24 Fehler – fünf mehr als derjenige mit blauem Stift.

5. Weiß hat ein reines Image…: Bei einem reinen Gewissen spricht man auch von einer „weißen Weste“. Wie sehr sich das positive Image von weißer Farbe bereits in unser Gehirn eingebrannt hat, zeigte eine Studie (.pdf) von Gerald Clore von der Universität von Virginia im Jahr 2004. 169 Probanden sahen auf einem Monitor Wörter mit positiver Bedeutung, beispielsweise „sanft“, und solche mit negativer Bedeutung („Teufel“). Die Begriffe erschienen sowohl in schwarzer als auch in weißer Schrift. Die Herausforderung für die Teilnehmer bestand darin, den Wörtern möglichst schnell die richtige Bedeutung zuzuordnen. Am besten schlugen sich die Freiwilligen dann, wenn positiv belegte Wörter in weiß und negative in schwarz erschienen – dann also, wenn die Bedeutung des Wortes mit dem Image der Farbe übereinstimmte.

6. …daher sind Teams mit schwarzen Trikots im Nachteil…: Selbst der neutralste Schiedsrichter hat seine Favoriten – ohne es zu wollen. Die US-Psychologen Mark Frank und Thomas Gilovich verglichen in einer Studie (.pdf) im Jahr 1988 die Statistiken der amerikanischen Football-Liga NFL sowie der Eishockey-Liga NHL – und zwar im Hinblick darauf, wie viele Strafen alle Teams von 1970 bis 1986 von Schiedsrichtern bekommen hatten. Verblüffend: Gegen Teams in schwarzen Jerseys entschieden die Unparteiischen besonders oft auf Foul. Dahinter steckt den Wissenschaftlern zufolge ein unbewusstes Denkmuster: Die Farbe Schwarz steht für Aggressivität – und wenn ein Schiedsrichter das Vergehen eines Spielers mit schwarzem Trikot beobachtet, unterstellt er automatisch Absicht und verhängt eher eine Strafe.

7. …und Mannschaften mit rotem Jersey im Vorteil: Der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München läuft meistens in roten Trikots auf. Die Mannschaft von Schalke 04, bislang eher Meister der Herzen, trägt den Beinamen „Die Königsblauen“. Zufall? Kaum, meinen jedenfalls Russell Hill und Robert Barton von der Universität von Durham. In ihrer Untersuchung (.pdf) im Jahr 2005 analysierten sie die Resultate mehrerer Kampfsportveranstaltungen bei Olympia 2004 in Athen – und zwar Boxen, Taekwondo und Ringen. Bei allen Sportarten bekommen die Kontrahenten vorher die Farbe Rot oder Blau zugelost. Sie ahnen es? Genau: In zwei Drittel aller Fälle gewann der Kämpfer mit rotem Trikot.

8. Menschen stehen auf Blau: Anya Hurlbert und Yazhu Ling von der Universität von Newcastle ließen in ihrer Studie (.pdf) im Jahr 2007 208 Freiwillige aus zwei farbigen Rechtecke ihre bevorzugte Farbe wählen. Und tatsächlich: Blau rangierte auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Im Fachjargon heißt das Blue-Seven-Phänomen: Die meisten Menschen präferieren die Farbe Blau und die Zahl Sieben.

9. Farben helfen bei der Gesichtserkennung: Wenn wir jemandem ins Gesicht blicken, wissen wir recht schnell, ob die Person männlich oder weiblich ist. Laut Frédéric Gosselin von der Universität von Montreal liegt das vor allem an der Farbe des Gesichts. Der Wissenschaftler zeigte in seiner Studie (.pdf) im Jahr 2005 30 Testpersonen Fotos von 300 hellhäutigen Gesichtern. In drei von vier Fällen erkannten die Probanden das korrekte Geschlecht. Wichtigstes Entscheidungskriterium war  die Färbung der Mundregion. Frauengesichter haben dort einen höheren Grünanteil, bei Männern überwiegt hingegen Rot.

10. Helle Decken wirken höher: Das entdeckte Daniel Oberfeld-Twistel von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Für seine Studie (.pdf) im Jahr 2010 konzipierte er ein virtuelles 3D-Zimmer. Nun sollten zwölf Freiwillige die Raumhöhe schätzen. Ergebnis: Je heller Decken und Wände gestrichen waren, desto höher empfanden die Probanden das Zimmer.

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