Big Spender – Frauenmangel macht Männer spendabel

Schöne Frauen können Männern kräftig den Kopf verdrehen. Auch durch ihre Abwesenheit: Herrscht ein Mangel an Frauen, geben Männer einer neuen Studie zufolge nämlich mehr Geld aus – und machen mehr Schulden.

Macon und Columbus, zwei Städte im US-Bundesstaat Georgia, liegen etwa 160 Kilometer voneinander entfernt. Zwar hat Columbus etwa 100.000 Einwohner mehr, aber ansonsten sind sich die Städte in vielen Belangen ähnlich, politisch und ökonomisch gesehen. Das Medianeinkommen der Männer liegt in beiden Städten bei etwa 24.000 Dollar, das der Frauen bei etwa 23.000. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung ist in Columbus fast drei Mal höher als in Macon. Zufall? Mitnichten.

Das behauptet zumindest ein Forscherteam um Vladas Griskevicius, Marketingprofessor an der Universität von Minnesota. Zusammen mit einigen Kollegen hat er in einer neuen Studie (.pdf) eine Erklärung gefunden, die auf den ersten Blick ziemlich, nun ja: abenteuerlich klingt. Eine Ursache für die höhere Verschuldung in Columbus sei nämlich – ein Mangel an Frauen. Aber der Reihe nach.

In Macon kamen im Jahr 2009 auf jede Frau etwa 0,8 Single-Männer, in Columbus hingegen gab es pro Frau 1,2 männliche Singles gab. Mit anderen Worten: In Columbus gab es einen Überschuss an alleinstehenden Männern, in Macon war es genau umgekehrt. Glaubt man der Studie von Griskevicius und seinen Kollegen, dann wirkt sich dieses Missverhältnis auch auf die Spendierfreude aus.

Kurioser Zusammenhang

Zu diesem Resultat gelangten die Wissenschaftler in vier unterschiedlichen Untersuchungen. Im ersten Versuch berechneten sie von 120 amerikanischen Städten einerseits die Relation zwischen Single-Männern und Single-Frauen (Anmerkung für Klugscheißer Experten: Wissenschaftler sprechen lieber vom „operationellen Geschlechterverhältnis“, oder auch operational sex ratio).

Andererseits besorgten sie sich Daten über die Anzahl von Kreditkarten, die jeder Bewohner der Städte im Schnitt besaß, sowie über die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung. Und dabei bemerkten sie einen Zusammenhang: Je deutlicher die Männer in der Überzahl waren, desto mehr Kreditkarten besaßen die Einwohner – und desto mehr Schulden hatten sie auch.

Zugegeben, dabei handelt es sich dabei erstmal nur um einen kuriosen Zusammenhang (Korrelation), keine Ursache-Wirkungs-Beziehung (Kausalität). Will sagen: Der Mangel an Frauen muss nicht der alleinige Grund dafür sein, warum sich die Menschen stärker verschulden. Deshalb konzipierten die Forscher um Griskevicius weitere Versuche, diesmal im Labor.

Dabei gaukelten sie den Probanden durch Fotos oder Zeitungsartikel drei unterschiedliche Situationen vor: Die einen gingen davon aus, dass Frauen in der Bevölkerung eindeutig in der Überzahl waren, die anderen glaubten an eine Überzahl von Männern. Die dritten rechneten mit einem ausgeglichenen Verhältnis. Nun sollten alle Teilnehmer verschiedene Entscheidungen treffen, die ihnen stets zwei Alternativen boten: Entweder eine kleine finanzielle Belohnung am morgigen Tag oder eine größere Belohnung in 33 Tagen. Und siehe da: Die Männer reagierten völlig unterschiedlich.

Schnelle Belohnung

Glaubten sie daran, dass sie in der Überzahl waren, entschieden sie sich wesentlich häufiger für die schnelle, aber geringere Belohnung. Ein ähnliches Resultat erhielten die Wissenschaftler in einem Folgeexperiment. Bei Frauenmangel waren die männlichen Probanden eher dazu bereit, via Kreditkarte Schulden anzuhäufen, außerdem wollten sie 42 Prozent weniger Geld für die Zukunft sparen als der Rest der Freiwilligen. Die weiblichen Teilnehmerinnen ließen sich von den unterschiedlichen Bevölkerungsstrukturen hingegen kaum beeinflussen.

Offenbar sorgt Frauenmangel beim männlichen Geschlecht für erhöhte Spendierfreude – oder, böse formuliert, finanzielle Disziplinlosigkeit. Hauptsache Geld ausgeben – so dachten die Männer offenbar.

Vladas Griskevicius erklärt sich das Ergebnis mit evolutionärem Verhalten. Auch im Tierreich sei es zu beobachten, dass männliche Wesen sich bei akutem Frauenmangel völlig anders verhalten: Vereinfacht gesagt legen sie sich bei der Partnersuche mehr ins Zeug. Der Hintergrund ist ziemlich einleuchtend: Gibt es mehr Männlein als Weiblein, müssen sie sich gegen viele Konkurrenten durchsetzen – denn es ist nunmal nicht für jeden Topf ein Deckel vorhanden.

Auch Menschen reagierten demnach auf akuten Frauenmangel: „Das Geschlechterverhältnis beeinflusst ökonomisches Verhalten und die Psychologie finanzieller Entscheidungen“, sagt Griskevicius. Männer geben bei Frauenmangel demnach mehr Geld aus, um damit die Frauen auf ihre Seite zu ziehen. Ob diese Strategie allerdings von Erfolg gekrönt ist, steht natürlich wieder auf einem ganz anderen Blatt.

Quelle:
Vladas Griskevicius et al (2012). The financial consequences of too many men: Sex ratio effects on saving, borrowing, and spending. In: Journal of Personality and Social Psychology, Band 102, Nummer 1, Seite 69-80.

 

[Foto: Teddy Delivery unter cc-by]

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