Auf der Suche – Was macht ein Online-Profil attraktiv?

Immer mehr Deutsche suchen ihren Partner im Internet. Aber was entscheidet darüber, wen wir beim Durchstöbern einer Online-Flirtbörse attraktiv finden? Zählt wirklich nur das Foto? Oder ist auch der dazugehörige Text wichtig?

Über attraktive Menschen lässt sich eine ganze Menge sagen – schöne Frauen beispielsweise haben es nicht immer leicht. Und doch hält sich in der Wissenschaft und an Stammtischen das hartnäckige Gerücht, dass schöne Menschen im Leben gewisse Vorteile genießen. Dafür verantwortlich ist unter anderem das so genannte Attraktivitätsstereotyp. Dessen Essenz lautet: Körperlich attraktiven Menschen werden positivere Eigenschaften unterstellt als unattraktiven.

Eine schon etwas angestaubte Studie dazu stammt von der kanadischen Psychologin Karen Dion. Im Jahr 1972 ließ sie die Probanden zunächst Fotos von attraktiven und unattraktiven Personen bewerten. Danach sollten die Teilnehmer diesen Personen verschiedene Charaktereigenschaften zuweisen. Fazit: Die besonders attraktiven galten auch als besonders sensibel und warmherzig.

Zwangsläufig könnte man nun davon ausgehen, dass schöne Menschen auch Vorteile bei der Partnersuche haben – egal ob morgens beim Einkaufen, abends in Bars und Kneipen oder ganztägig im Internet. Tatsache ist: Immer häufiger findet die menschliche Balz heute online statt. Etwa jeder vierte deutsche Internetnutzer hat bereits online nach einem Partner gesucht. Allein in Deutschland gibt es inzwischen mehr als 2500 Online-Partnerbörsen. Darunter Platzhirsche wie Elitepartner oder Parship, aber auch Portale mit gewisser Zuspitzung: AcademicPartner für die Gebildeten, Himmlisch-Plaudern.de für Christen, Schwarzesglueck.de für Solo-Satanisten.

Aber was entscheidet eigentlich darüber, wen wir beim Durchstöbern einer solchen Flirtbörse attraktiv finden? Zählt wirklich nur das Foto? Oder ist auch der dazu gehörige Text wichtig? Diese Frage stellte sich auch Rebecca Brand von der amerikanischen Villanova Universität in einer neuen Studie, die in der nächsten Ausgabe des Fachmagazins „Computers in Human Behavior“ erscheinen wird.

100 Männer

50 Psychologiestudentinnen im Alter zwischen 18 und 24 schauten dafür auf die Profile von 100 Männern bei einer Singlebörse. Die Männer waren zwischen 22 und 25 Jahre alt. Die eine Hälfte der Studentinnen sah allerdings lediglich deren Profilfoto, die andere las nur deren Selbstbeschreibung. Nun sollten die Frauen den Mann bewerten, und zwar im Hinblick auf verschiedene Aspekte: wie attraktiv sie ihn generell fanden und ob sie ihn ihm eher einen kurzfristigen Sexpartner oder einen langfristigen Freund sahen.

Rebecca Brand vermutete, dass zwischen den Bewertungen der Gruppe eine Korrelation bestehen würde – und sie wurde nicht enttäuscht. Die Frauen gaben den Männern recht ähnliche Punktzahlen – obwohl die einen das Foto der Männer sahen, während die anderen lediglich einen kurzen Text lasen. Männer, die für ihr Profilbild hohe Werte bekamen, schnitten auch bei der Selbstbeschreibung gut ab.

Doch die Wissenschaftlerin schaute sich die Ergebnisse noch genauer an – denn sie wollte wissen, was genau für diese Gemeinsamkeit sorgte. Und dabei bemerkte sie: Die Attraktivität der Selbstbeschreibung hing entscheidend davon ab, wie selbstbewusst der Mann dabei rüberkam. Wirkten seine paar Zeilen selbstbewusst, fanden ihn die Studentinnen meist auch attraktiv. „Wer körperlich attraktiv ist, schreibt auch ansprechendere Selbstbeschreibungen“, sagt Rebecca Brand.

Damit schließt sich für die Forscherin ein Kreis. Sie sieht die Ursache für dieses Selbstbewusstsein nämlich just in der Attraktivität. Wer überdurchschnittlich aussehe, sei sich dessen meist bewusst und strahle das auch aus – und das wiederum beeindrucke die Mitmenschen. Natürlich nur, so lange man es damit nicht übertreibt – denn der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz ist bekanntermaßen ziemlich schmal. Und wer ihn überschreitet, dem nützt dann auch seine ganze Schönheit nichts mehr.

Lesetipp:
Das US-Magazin „The New Yorker“ hat vor einigen Monaten die Geschichte des Online-Datings aufgeschrieben. Der Text ist sehr lang, aber ebenso lesenswert. Hier entlang.

Quelle:
Rebecca J. Brand, Abigail Bonatsos, Rebecca D’Orazio, Hilary DeShong  (2012). What is beautiful is good, even online: Correlations between photo attractiveness and text attractiveness in men’s online dating profiles. Computers in Human Behavior, Band 28, Ausgabe 1, Seite 166–170

[Foto: violet monde unter cc-by]

Kommentare

  1. Hmm. Spannende Sache!
    Ich denke trotzdem, dass sich die wahre Persönlichkeit erst im reallife zeigt und Onlinedating eher zeitvertreib als echte Alternative ist. Der einzige Vorteil, den Onlinebörsen bieten ist, dass die Ansprechangst hier nicht vorhanden ist und Menschen hinter dem Schutz der digitalen Welt soviele Menschen, wie sie möchten direkt anschreiben können.

    Grüße
    Rob

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